KP-07 - Stauplan für eine Mittelmeer-Lang-Tour

 

verfasst 2011 - geändert am 18.04.2011

 

Wie beladet Ihr eigentlich Euren Kajak, wenn es auf „Große Fahrt“geht? Knallt Ihr Eure Stauräume unkontrolliert voll oder geht Ihr nach einem bestimmten Schema vor, das Ihr Euch im Laufe der Zeit entwickelt habt?

 

Ich möchte Euch jetzt meinen Stauplan vorstellen, der während der Jahre bei meinen Fahrten langsam gewachsen ist und sich für meine Zwecke bestens bewährt hat.

 

1 - Hinterer Stauraum:

 

In die Spitze stopfe ich Seile und Schnüre die ich als Vorrat mitnehme. Diese binde ich mit einer Reepschnur zusammen. Das Ende der Schnur reicht bis zur Ladeluke, so dass ich das Seilbündel ohne Verrenkungen nach vorne ziehen kann.

 

Danach folgt das „Erste-Hilfe-Set“ in Folie eingepackt und mit Paketklebeband umwickelt, das ich mit einem zweiten Paar Sandalen als Reserve (Bei einer Minimalausrüstung gehören sie eigentlich zum Luxus. Mir sind aber schon Sandalen weggeschwommen und hab' sie nicht mehr gefunden. Deshalb diese Vorsorge.) und mit einer Reepschnur zu einem Paket zusammengebunden habe, die wieder bis zur Luke reicht. Die Sandalen liegen unten und passen sich ziemlich genau den Konturen des Bootes an.

 

Den Boden belege ich anschließend mit 3 Mineralwasserflaschen à 1,5 l, die bis zum Rand der Lukenöffnung reichen: eine hinten, zwei vorne. Die Verschlüsse schauen zueinander, damit die Flaschen kompakter gelagert werden können.

 

Darüber kommen zwei wasserdichte Transportsäcke. Der eine enthält den Schlafsack und die Übernachtungsutensilien (lange Thermounterwäsche, alternativ ein Trainingsanzug, Socken, Stirnlampe, Taschentuch usw.).In dem anderen wasserdichten Transportsack befindet sich der Tagesbedarf wie Sporthose, Sporthemd, Waschzeug, Survivaltasche mit den Dokumenten und Handy, Reservebatterien, als Luxusausrüstung eventuell noch Photoapparat, Fernglas, GPS-Empfänger usw. Als Freund des „Weniger ist mehr!“ hadere ich zur Zeit mit dieser Entscheidung für ein Luxusequipment. Aber ein paar Erinnerungsphotos von der Tour wären halt doch sehr schön, insbesondere, weil ich das Problem mit einer einheitlichen Stromversorgung über Mignonbatterien (AA-Zellen) gelöst habe. Siehe dazu meinen Beitrag BP-03 - "Elektrische Stromversorgung auf einer Seekajakfahrt - Optionen". Die Verschlüsse der Transportsäcke zeigen nach hinten. Wenn man die Säcke relativ locker packt, lassen sie sich gut verformen,damit sie leichter nach hinten geschoben werden und sie sich dem Bootsspant anpassen können.

 

Auf der anderen Seite an der Schottwand lege ich zunächst in einem festen Foliensack (Verschluss gerollt und mit Klebeband gesichert) das Zelt, einschließlich dem Gestänge, Heringen und einer speziell zugeschnittenen Bodenmatte auf den Kajak-Boden. Ich habe es so zusammengelegt, dass es über die gesamte Breite des Bootes reicht und in die Luke ein wenig hineinsteht. (Bei der letzten Fahrt habe ich das Zelt sogar zu Hause gelassen. Bei mir hat die Minimalisierung bereits Einzug gehalten.) Darüber lege ich das zusammengefaltete Tarp, die luftleere Inflating-Liegematte, ebenfalls nur zusammengelegt und dann die Bodenunterlage mit der verschmutzten Seite nach innen. In einem flachen wasserdichten Packsack habe ich meine Navigationsunterlagen verstaut. Da würde sogar noch mein altes Notebook mit 800 g hineinpassen (Meine Bemerkungen über das „Luxusequipment“ siehe oben.). Der flache Sack kommt zum Schluss auf die Bodenunterlage. An den Seiten ist noch Platz für das Gestänge und die Heringe des Tarps in einer Gewebetasche und eines der beiden Badetücher (Liegemattenschoner und Kopfkissen), das einfach in die leeren Zwischenräume gestopft wird.

 

Den restliche Raum der Stauluke fülle ich mit den Kochutensilien, Wasserflaschen und Konserven auf. Sie dienen in Verbindung mit der Verpflegung im vorderen Stauraum für das Trimmen des Bootes. Darüber lege ich das zweite Badetuch, damit der Neopren-Lukendeckel vor scharfen Kanten der Konserven geschützt wird.

 

2 - Vorderer Stauraum:

 

In die Spitze stecke ich in eine Plastikfolie eingewickelt und mit Paketklebeband wasserdicht verpackt und mit einer Reepschnur versehen (siehe oben) eine einfache Reservespritzdecke. Als nächsten Gepäcksatz folgt die „Eiserne Reserve“ von der Verpflegung. Diese besteht bei mir neuerdings aus jeweils zwei Büchsen Thunfisch, sonstigen Fisch, Thunfisch/Gemüse und Frühstücksfleisch (insgesamt 8 Konserven). Ich habe diese Ration so zusammengestellt, dass sie genau in den Querschnitt des Laderaums passt. Die Konserven sind in fester Folie eingeschlagen und wieder mit Paket-Klebeband wasserdicht eingewickelt. Bis jetzt habe ich aber die mitgeführte „Eiserne Reserve“ noch nie benützen müssen.

 

Nun passt der wasserdichte Reparatur/Reserve-Beutel hinein.

 

Den zerlegten und zusammengeklappten Bootswagen stecke ich rechts in die Luke. Die Enden mit den Befestigungsbolzen und Zwischenringen sind dick in Folie (Luftpolsterfolie) eingewickelt, damit sie nichts beschädigen und verschmutzen können. Die Räder liegen zwischen dem Karren und auf der anderen Seite des Staukastens mit den Ventilen an der Bordwand. Ich habe einmal ein nach innen ragendes Ventil abgerissen, als ich mit Gewalt eine Verpflegungsbox zwischen die Räder gedrückt habe. Na ja, aus Erfahrung wird man klug!

 

Auf der anderen Seite des vorderen Stauraums an der Schottwand passen in meinen Kajak 8 Wasserflaschen à 1,5 l Volumen und obendrauf und in die Zwischenräume noch Verpflegung.

 

Unmittelbar in der Luke verstaue ich eine Proviantdose mit Klappdeckel in der ich offene Lebensmittel (Käse, Wurst usw.) aufbewahre und die Frischverpflegung wie Brot, Gemüse, eventuell auch Kekse und natürlich Konserven jeglicher Art. Darüber lege ich ein Geschirrtuch, damit der Neopren-Deckel wie bei der hinteren Luke vor scharfen Kanten geschützt wird.

 

Wasserflaschen und Büchsenfutter dienen in Verbindung mit der Verpflegung im hinteren Stauraum für das Trimmen des Kajaks. Siehe dazu auch meinen Beitrag KE-04 - "Der alte Diskurs: Steuerruder versus Skeg" und der geführten Diskussion mit einem Forumsmitglied der Outdoorseiten.

 

3 - Sitzluke:

 

An den Seiten sind die beiden Hälften des Reservepaddels festgebunden. Eine dreiteilige Hartschaumplatte bei den Fußstützen/Steuerpedalen zwischen den Paddelschäften eingeklemmt (Sie hält zugleich die Reservepaddel.) sorgt für eine bequeme Fersenauflage bei den seitlich angebrachten Pedalen. Vor der Lenzpumpe liegt ein großer Schwamm und auf diesem eine Wasserflasche für den ständigen Gebrauch. Darüber, auf der Lenzpumpe aufgestützt und auf der anderen Seite nach oben mit einer Reepschnur verzurrt (Die Reepschnur habe ich an der Kompassschraube angebunden.), die Schwimmweste und der darin eingewickelte Paddelanorak. Durch diese Maßnahme habe ich die Schwimmweste sofort griffbereit, wenn der Wind auffrischen sollte und die Wellen ansteigen. (In nördlichen Gefilden, Nord- und Ostsee und an der Atlantikküste würde ich aus Sicherheitsgründen natürlich die Schwimmweste während des ganzen Paddel-Tages tragen und in der Barentssee sogar noch einen Neopren- oder Trockenanzug dazu!) Die Sandalen sind auf beiden Seiten zwischen den Paddelschäften und der Bordwand eingezwickt und mit den Klettverschluss-Riemen um die Schäfte gesichert. Das Schwimmmesser steckt bei mir auf der rechten Seite zwischen dem Paddelblatt und der Bordwand. Ein kleiner Schwamm ruht noch in einer Schale im Sitz zwischen den Füßen, damit ich schnell das Kondenswasser aufwischen kann.

 

Hinter dem Sitz passen noch zwei Flachen Wasser, etwas zum Essen (Kraftfutter), darüber der zusammengedrehte Lukendeckel und ein altes, dunkel gefärbtes Handtuch für alles Mögliche.

 

Einen Teil der leere Wasserflaschen stecke ich zu der Lenzpumpe. Sie dienen gleichzeitig als Auftriebskörper und Volumenverkleinerung. Siehe dazu auch meinen Beitrag KE-03 - "Qualitätsanspruch an das Paddel-Equipment" im Abschnitt "6 - Lager". Der Rest wird zusammengetreten, damit die Luft entweichen kann, zugeschraubt und in den vorderen Stauraum bis zur Entsorgung verbracht.

 

Alles, was sich in der Sitzluke befindet wie Paddel, Wasserflaschen, Schwimmweste, Paddelanorak, wasserdichter Beutel für den Tagesbedarf, Badeschlappen usw. verdrängt bei einer Kenteruung Wasser und man muss nicht mehr so viel herauspumpen. Voraussetzung ist allerdings, dass alle diese Gegenstände gegen Herausfallen bei einer Kenterung gesichert sind! Den Kleinkram verstaut man am besten in einem Einkaufsnetz aus Plastik und bindet es in der Luke am Kajak fest. Zuviel sollte man aber auch nicht in der Sitzluke aufbewahren, denn man will sich ja noch rühren können, bei Langfahrten äußerst wichtig. 

 

Ach ja, eine kleine Plastikflache mit großer Öffnung liegt noch lose in der Sitzluke. Ich nenn' sie mal Hygiene-Flasche und sie wird häufig benutzt, insbesondere wenn ich zuvor Kaffee getrunken habe.

 

4 - Deck:

 

Das Deck ist bei mir in der Regel leer. Höchstens einmal ein aufgeschossenes Seil liegt im Gepäcknetz. So habe ich bei Sturm keine Probleme, dass mich ein imposanter Deckaufbau zusätzlich behindert. Einem Brecher bietet ein leeres Deck weniger Angriffsfläche. Der Schwerpunkt liegt logischerweise tiefer und der Kajak dadurch satter im Wasser. Außerdem gibt er Dieben keine Gelegenheit und weniger Anreiz, ihre Tätigkeit spontan auszuüben.

 

Dies ist mein allgemeiner Stauplan für eine große Seekajakreise im und am Mittelmeer. Er hat sich für mich außerordentlich gut bewährt und wird jedes Mal entsprechend angewandt und der jeweiligen Situation angepasst. Natürlich variiert bei jeder Fahrt die Ausrüstung ein wenig. Aber es ist genügen Platz im Boot, so dass eine spezielle Abwandlung immer noch erfolgen kann. Eventuell geht ein Mehr an Ausrüstung zu Lasten der Verpflegung.

 

Vielleicht könnt Ihr meinen Stauplan als Anregung verwenden. Zur Ausrüstung siehe auch meine Beiträge KP-04 - "Die von mir verwendete Ausrüstung für Langfahrten", KP-05 - "Meine jetzige Minimalausrüstung" und KP-06 - "Ausrüstung und die Anpassung auf die einzelnen Fahrten."

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