KP-17 - Umsteigen von einem Schlauchboot in einen Rennkajak

 

verfasst 2012 - geändert am 15.04.2012

 

Ein Forumsmitglied der Outdoorseiten erzählte von seinen ersten Erfahrungen mit einem Prijon Barracuda, den er sich vor Kurzem gebraucht gekauft hatte und anstelle seines Schlauchbootes benutzen will. Dabei machte er wegen der Kippeligkeit der Rennmaschine schon die ersten schlechten Erfahrungen.

 

Mit den nachstehenden Worten wollte ich ihn wieder aufmuntern, am „Barracuda“ weiterzuarbeiten:

 

... das Fahrradfahren hatte man auch nicht von heute auf morgen gelernt! Der Umstieg vom Drei- auf ein Zweirad dauerte auch länger und war mit viel „praktischer“ Erfahrung, Schürfwunden und aufgeschlagenen Kien gepflastert.

 

Dasselbe gilt auch für das Umsteigen von einem „Schlaucherl“ in einen „Rennkajak“, wenn auch dabei nicht so viel Blut fließt, wie beim „Radlfahren“. Da helfen Erklärungen und gute Ratschläge von Experten und von denjenigen, die meinen sie wären es, relativ wenig. Weise Ratschläge mit einem angelesenen Wissen im Hobby-Bereich ist von diesen selbsternannten „Quasifachleuten“ genau so viel wert, wie wenn ein neu eingestellter Jungakademiker in einem Betrieb mit seinem Wissen aus dem Studium prahlt. Erfahrene Handwerker an der Werkbank lassen diesen und „Alte Hasen“, die ihr Steckenpferd bereits jahrelang ausüben, jene sehr alt aussehen. Die beiden echten „Spezialisten“ verfügen über eine Erfahrung, die man weder lernen noch studieren kann. Erst wenn eine Tätigkeit bei einem „Beginner“ automatisch abzulaufen beginnt, erhält er das Gefühl der Sicherheit und fühlt sich heimisch.

 

Nach der ellenlangen Einleitung unter „OT“ gibt es eigentlich nicht mehr viel über Paddeltechniken zu sagen. Als Quereinsteiger hast Du ja selbst schon die gravierenden Fehler analysiert und bist auf dem besten Weg, daraus zu lernen. Völlig richtig hast Du erkannt, dass es leichter ist, seine Balance aufrecht zu erhalten, wenn man sich ständig in Bewegung hält (bestes Beispiel: Fahrradfahren). In der Ruhe muss man dann mit dem Paddel stützen oder den Kajak in die „Endstabilität“ verlagern (Hüftknick! Ist aber für längere Zeit unbequem.). Durch den scharfen V-Spant weist der Barrakuda eine sehr hohe Endstabilität auf. Allerdings muss man bei diesem Boot die Anfangsstabilität nahezu als null bezeichnen, was Du ja in Deinem Post so liebevoll mit einem Schmunzeln beschrieben hast.

 

Den einzigen Punkt, den ich hierzu beisteuern kann, ist die Verlagerung des Schwerpunktes unter oder nahe an die Wasserlinie. Das bewerkstelligst Du am einfachsten, indem Du Deinen Kajak mit Deiner auf Großfahrt vorgesehenen Ausrüstung vollpackst. Beachte dazu: die schweren Gegenstände auf den Kajakboden, die leichten nach oben direkt unter Deck. Dadurch liegt Dein Barracuda tiefer, schwerer und sicherer im Wasser und Du musst den Kajak dann nicht so weit ankanten, damit Du die Endstabilität erreichst! Ein U-Boot sollte daraus aber nicht entstehen. (Smiley zwinkern)

 

(Ironie an) Alternativ kannst Du auch den Inhalt von zwei bis vier Kästen Bier, jeweils gleichmäßig in den vorderen und in den hinteren Stauraum verteilen, dazu noch den „großen Hobo-Ofen“ mit Kochausrüstung, einen vollen Wassersack und die nötige Verpflegung. Dann wäre ein angenehmer Nachmittagssonntag mit Freunden an einem schönen, einsamen Ufer/Strand/Sandbank gesichert, natürlich nur, wenn das Wetter entsprechend mitmacht. Solltest Du dann dennoch eine unfreiwillige „halbe“ Kenterrolle üben (Das dürfte in der Regel bei der Heimfahrt passieren, weil sich dann die Gewichtsverteilung durch die leeren Bierflaschen zu Ungunsten der Stabilität verändert hat und man selber abgefüllt ist ...), sieh das alles von der positiven Seite: Zu einem trainierst Du das Aus- und Wiedereinsteigen in einen schmalen Kajak, zum anderen prüft Du gleichzeitig, ob Deine Stauräume dicht sind. (Ironie aus)

 

Heute werden zu jeder noch so banalen Tätigkeit, Kurse angeboten, die nach Angebot und Nachfrage sogar gebucht werden. Ich persönlich bin aber der Meinung, dass man das Meiste sich selber erarbeiten kann. Das sehe ich für das Erlernen der Grundtechniken beim Paddeln auch in einem schmalen, extrem kippligen Rennkajak – nach dem Motto: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!“

 

Ich hoffe, ich habe Dich ein wenig aufmuntern können, dass Du mit Deinem Barracuda bald zurecht kommst und dann bestimmt sehr viel Freude beim schnellen Paddeln haben wirst.

Das Forumsmitglied der Outdoorseiten fragte nun nach speziellen Einsetz-Methoden mit seinem neuen Kajak „Barracuda“ von Prijon.

 

Im nachstehenden Abschnitt versuchte ich, ihm meine Erfahrungen aufzuzeigen:

 

Als ich mich bei Prijon in Rosenheim einmal in den Barracuda gesetzt habe, habe ich beim Sitzen die Beine gerade noch in die Sitzluke zwängen können. Wenn ich mich nicht irre, misst sie in der Länge 81 cm. Das sind 11 cm weniger als in meinem Kodiak, in den ich mit meinen 1,72 m ganz bequem im Sitzen mit den Füßen aus der Sitzluke heraus- und auch wieder hineinkomme.

 

Schau einmal, ob das bei Dir auch so funktioniert. Eventuell kannst Du auch den Sitz noch ein wenig nach hinten verstellen. Pass aber auf, dass die Spritzdecke sauber sitzt und sie Dich nicht in den Rücken drückt. Wenn Du nun im Sitzen die Füße in die Sitzluke schieben kannst, hast Du den großen Vorteil, ohne „Schuhlöffel“ (= Paddelstütze und mit den Beinen zuerst in die Sitzluke) ein- und aussteigen zu können.

 

Bei ruhigem Wasser, kann man ohne weiteres auch mit dem Boot parallel zum Ufer mit einer Paddelstütze einsteigen. Bei Wellenschlag ist das schon ein schwieriges Unterfangen. Wenn das Ufer lang ist, kann man noch entgegen die Strömung (das von den Wellen ablaufendes Wasser) einsteigen, vom Ufer abstoßen und beim Paddeln sich von der Strömung, die die Spitze des Kajaks vom Ufer wegdrückt, auf das offene Wasser treiben lassen. Dasselbe macht man ja auch beim Ablegen und Anlanden an einem Fluss, indem man gegen die Strömung ein- oder aussteigt, den Bug direkt an/in das Ufer gedrückt.

 

Bei hohen Wellen, die an den Strand schlagen, suche ich mir erst die Stelle in der Bucht, die am ruhigsten erscheint. Dort setze ich dann ein. Wenn kaum eine Querströmung (von den Wellen ablaufendes Wasser, siehe oben) vorhanden ist, legt man den Kajak halb ins Wasser, steigt ein, schließt die Spritzdecke und robbt dann ins Wasser (genannt: „Robbenstart“), indem man mit einer Hand das Paddel in den Sand steckt und das Boot damit vorwärts drückt (ähnlich dem Staken), während die andere Hand sich im Wasser abstützt und den Kajak dadurch stabilisiert. Mit einem extrem leichten Karbonpaddel sollte man das aber nicht machen. Ich verwende dazu beide Fäuste zum Vorwärtsschieben, während das Paddel griffbereit oben auf der Spritzdecke liegt. Leichter geht es, wenn man wartet bis die Wellen den Kajak etwas anheben.

 

Bei zusätzlicher Querströmung wird es kompliziert. In diesem Fall beobachte ich, wie sich die Wellen und das ablaufende Wasser verhalten. Am ruhigsten ist es nach den „Hohen Drei“, wenn deren Wasser abgelaufen ist. Dann muss man sehr flink sein, den Kajak in das Wasser ziehen, den Bug etwas gegen die Strömung richten (nicht zu viel, sonst drücken Dich die Welle wieder quer ans Ufer) sich in den Sitz fallen lassen und so schnell wie möglich aus der Brandung herauspaddeln. Erst im ruhigen Wasser hinter der Brandung kann man dann die Füße in die Sitzluke stecken (siehe ganz oben!). Wenn man den Zeitpunkt nicht richtig gewählt hat, kann es vorkommen, dass Dich die nächsten „Hohen Drei“ erwischen und Du dann nass wirst. Im ruhigen Wasser musst Du danach den Schwamm oder sogar die Lenzpumpe benutzen. Bis jetzt habe ich nur ein einziges Mal das Wasser auspumpen müssen. Das ist in Griechenland gewesen, 2004, bei relativ hoher Brandung, da habe ich dann sogar Kies in der Sitzluke gehabt. Ansonsten hat immer der Schwamm gereicht.

 

Meine Paddelpartnerin beschreibt so eine ähnliche Situation auf unserer kleinen Dalmatien-Rundfahrt, 2011 in ihrem Reisebericht „mein Seekajakherz auffüllen“.

 

Wenn das alles zu riskant ist, lege ich dann meist einen Ruhetag ein. Allerdings treffe ich in diesen Fällen die Entscheidung vor dem Abbau des Lagers und kuschle mich dann noch einmal in den Schlafsack.

 

Ach ja, gekentert bin ich beim Einsteigen und Ablegen auch schon einige Male. Aber das waren ähnliche Situationen wie bei Dir. Da habe ich neue Boote bekommen und bin mit ihnen noch nicht vertraut gewesen. Aber wie der vorangegangener User schreibt: „Bleib dran und gib Dir ein wenig Zeit! Das wird schon alles!“ Das ist bei mir genauso gewesen!

 

Das sind meine Einfälle zu diesem Thema auf die Schnelle in einer Kurzversion. Wenn Du Fragen hast, nur zu!

Ein weiteres Forumsmitglied der Outdoorseiten, das sich in derselben Situation befindet, hat große Bedenken mit einem Festboot auf dem Meer zu paddeln. Sie meinte, mit zwei Auslegern würde sie sich sicherer fühlen. Das veranlasste mich im Beitrag KT-14 - „Ein kleiner Ausflug zu den paddelbaren Mehrrumpfbooten“ auf Ausleger bei einem Kajak einzugehen. Nun präzisierte sie ihr Vorhaben und zeigte ein Photo von einem Schlauchkajak mit Segel und zwei kleine Ausleger, die mit einem Querstab vor der Sitzluke befestigt sind. Sie erzählte auch, dass es nächste Woche zum ersten Mal in einem Festboot sitzen und eine „Profipaddel-Stunde“ erhalten werde.

 

Meine Antwort fiel folgendermaßen aus:

 

Wenn Du nächste Woche zum ersten Mal in einen Festboot sitzt und dabei eine fachmännische Einweisung bekommst, hätte ich weniger Bedenken mit der Balance, dem Kentern und dem „Badengehen“, weil Dir ja eine Hilfestellung geboten wird. Bedenklicher ist das allerdings, wenn man damit völlig alleine zurecht kommen muss.

 

Die Ausleger, die Du beschreibst, könntest Du ohne weiteres verwenden, wenn Du eine einfache Montagemöglichkeit auf dem Kajak findest, ohne zusätzliche Löcher in das Boot bohren zu müssen (eventuell an den Fittings der Rundumleine festbinden?!).

 

Ich vermute aber, dass Du später auf so eine Hilfe liebend gerne verzichten wirst, wenn Du einmal mit einem ranken Festboot vertraut bist. Dann hast Du aber eventuell bereits irgendwelche Beschläge moniert, die Dich dann stören und Du ärgerst Dich, diese angebracht zu haben, weil Du anschließend die Löcher auf irgend eine Weise abdichten musst. (Ironie an) Meistens werden dann unsagbar viel Befestigungsösen kreiert, damit man nicht sofort erkennt, dass man sich verbohrt oder zuvor Murks gebaut hat. Das habe ich bei meiner Ausrüstung ebenso gemacht: Einer falsche Bohrung, einem unvorsichtiger Schnitt beim Abändern der Kleidung wieder einen praktischen Zweck zugeführt, um so seinen Lapsus zu vertuschen. (Ironie aus)

 

Außerhalb der Brandungszone ist bei Windstille in der Regel das Meer ruhig und Du bemerkst nur mehr die Dünung, die Dich sanft wiegt. Auch bei sehr hoher Dünung, wenn unter Umständen an entsprechenden Stränden wegen der Brandungsbrecher der Teufel los ist, hebst und senkt Dich die Dünung und Dein Boot draußen nur sehr sanft. Da wirst Du erkennen, dass Du keine „Schwimmhilfe“ brauchst! In der Brandung stören meines Erachtens die Ausleger sowieso nur, insbesondere wenn Du durch Brecher anlanden musst. Durch die Ausleger wirst Du beim Ankanten und Stützen nur behindert und Du läufst Gefahr, dass Dich dann ein Brecher kentern lässt, wenn Du mit dem Boot parallel zur Welle stehst. Aber das alles wird Dir sicherlich bei Deiner „Profipaddel-Stunde“ genau erklärt werden.

 

 

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