KP-04 - Die von mir verwendete Ausrüstung für Langfahrten

 

verfasst 2010 - geändert am 08.01.2011

Nachstehend habe ich einmal aufgelistet, was ich so alles an Ausrüstung auf meinen mehrmonatigen Long-distance-Seekajak-Touren auf dem Mittelmeer mitnehme:

am Mann:

- Badehose
- langes T-Shirt (reicht für rund 1.000 km)
- Schirmmütze (langer Schirm, gut auch mit Nackenschutz)

- Sonnenbrille mit Nackenband (Reepschnur reicht), evtl. auch mit Nasenschutz (Sonnenschutz: Nacken,

  Nase kann man aus einem aufgebrachten T-Shirt, siehe oben, selber schneiden)
- Paddelhandschuhe (damit keine Wasserblasen entstehen)
- Schwimmweste (in der Sitzluke über Lenzpumpe)
- Paddelanorak (in der Sitzluke über Lenzpumpe)
- Badeschlappen als Universalschuhe (in der Sitzluke)
- Handtuch, klein (für alle möglichen Zwecke, hinter Sitz)

am Boot:

- Kajak (mit Fußsteuer, Fußlenzpumpe, Kompass)
- Paddel mit Sicherungsleine (Reepschnur reicht)
- Spritzdecke mit angebundener Signalpfeife (sofort zu Hand)
- Reservepaddel, geteilt, gekürzt (in der Sitzluke)
- Kajakwagen, zerlegt (vorderer Stauraum)
- Sitzlukendeckel (hinter Sitz)
- „Abwasserbehälter“, z.B.: an die Körper ergonomisch angepasste alte Wasserflasche aus Plastik (in der

  Sitzluke)
- Schwamm zum Spritz- und Tropfwasser aufwischen (in der Sitzluke)

Zeltbeutel, flach als Reserve (hinterer Stauraum):

- Unterlage, starke Plastikfolie z.B.: Deltafolie, Teichfolie
- Tarp 2 m x 3 m (besser 3 x 3, evtl. auch 3 x 4, wenn man sie irgendwo günstig bekommt)

Nachtlager (hinterer Stauraum):

- Tarp 2 m x 3 m oder ähnliches, Knickstellen mit Klebeband verstärkt,mit Spannleinen versehen
- Gestänge mit Leinen zum Abspannen und Auflegen der Plane, Häringe in Stoffsack (2 lange Häringe

  aus Baustahl 6 mm, zur Verankerung der Firstleine in Sand und losem Gestein)
- Liegematte, 5 cm, (zur Schonung der müden Knochen) nur gefaltet
- Unterlage, starke Plastikfolie oder dergleichen
- Badetuch (zum Abdecken der Liegematte)
- Badetuch (gerollt als Kopfkissen, alternativ: Kleidersack)

Beutel, flach, Rollverschluss (hinterer Stauraum):

- Handy-Organizer (Notebook für Tagebuch usw.)
- Schreibmappe:
- - Karten
- - Lineal
- - Kurswinkel
- - Lupe
- - Notizblock
- Hartbox, flach (Diskettenbox, wenn man noch einen auftreibt):
- - Personalausweis (getrennt vom Pass)
- - Lithiumbatterien für Speicherkarten und Bios
- - Kugelschreiber
- - Reserveminen
- - Bleistift
- - Radiergummi
- - Spitzer
- - evtl.Trocknungsmittel

Transportsack, rund, lang (hinterer Stauraum):

- Schlafsack
- Stirnlampe
- Schlafsachen (z.B.: lange Funktionshose und -hemd, Wollsocken)
- Taschentuch

Transportsack, rund, lang für Tagesbedarf (hinterer Stauraum):

- T-Shirt
- kurze Hose
- Unterhose
- Waschzeug lose im Stoffbeutel, z.B.:
- - Haarshampoo
- - Zahnbürste
- - Zahnpasta
- - Kamm
- - Vaseline
- - Mundspray
- - Wattestäbchen
- GPS-Empfänger
- Photoapparat (z.B.: wasserdichte Schnorchelkamera)
- Fernglas
- Umhängtasche (siehe unten)

Umhängtasche als Survival-Tool:

- Geldbeutel mit Geld und Lupe
- Notizbuch mit Kugelschreiber
- Ausweistasche
- - Reisepass
- - Taschenrechner
- - Führerschein
- - Seniorenausweis
- - Kreditkarte oder ähnliches
- - Erste-Hilfe-Ausweis
- - Impfpass
- Schweizer Taschenmesser
- Kamm
- Teelöffel
- Nähzeug
- Schere (Kabelhülle als Schutz, alternativ: im Schweizer Messer)
- Kugelschreiber
- Bleistift mit Radiergummi
- Handy
- Bic-Feuerzeug
- persönliche Notfallausrüstung

Transportsack, rund, lang – Reserve (hinterer Stauraum):

- Long-Shirt (pro 1.000 Paddel-km ein T-Shirt)
- Long-Shirt (pro1.000 Paddel-km ein T-Shirt)
- langes Hemd
- lange Hose (Sporthose)
- Stoffgürtel
- Socken
- Unterhose
- Badehose (Reserve)
- Schampoo (Reserve)
- Zahnpasta (Reserve)
- Sonnenbrille (Reserve)
- 6 x 8 Batterien AA (in Folie und T-Shirts eingewickelt)

Transportsack,  rund, kurz – Reparatur (vorderer Stauraum):

- Ringschlüssel 7, 10, 13 mm (speziell für Kodiak)
- Imbusschlüssel 5 mm (speziell für Kodiak)
- Schrauben, Scheiben, Muttern (speziell für Kodiak)
- Schraubendreher-Set( Bit-Version)
- Sekundenkleber
- Mattenkleber (auch für Spritzdecke, usw.)
- Nähzeug (Nadeln, Zwirn schwarz und weiß, Sicherheitsnadeln)
- Klebebänder (um das Tarp zu flicken und für alles mögliche)

Sonstiges:

- 8 Flaschen Mineralwasser, 1,5 l (vorderer Stauraum)
- Reserve-Spritzdecke zusammengerollt (vorderer Stauraum, Spitze)
- 2 Flaschen Mineralwasser, 1,5 l (hinter Sitz)
- 1 Flasche Mineralwasser, 1,5 l (griffbereit vor Lenzpumpe)
- Reservesandalen, (hinterer Stauraum, Spitze)
- diverse Schnüre,Seile, Bänder in die Spitzen verteilt

Verpflegung:

je nach Geschmack in die verbleibenden Hohlräume der Stauräume verteilt.

Eiserne Reserve je nach Geschmack, in die vordere Spitze, z.B.:

2 Büchsen Frühstücksfleisch
2 Büchsen Fisch
2 BüchsenThunfisch

Hinweise:

Allemeine batteriebetriebenen Geräte (Handy-Organizer außer Speicherkarten- und Bios-Batterien, GPS-Empfänger, Handy, Stirnlampe, Fotoapparat) laufen ausschließlich mit AA-Batterien.Teilweise sind es uralte Geräte (Handy-Organizer, GPS-Empfänger und Handy), meist über 20 Jahre alt und werden von mir sorgsam gepflegt und behütet. Wenn das Notebook abschaltet, können diese Batterienimmer noch eine Zeit lang in der Stirnlampe verwendet werden. Ich habe lange auf den Flohmärkten gesucht, bis ich alles beieinander hatte.

Dieser gängige Batterietyp AA ist überall erhältlich und kann auch in größerer Zahl (z.B.: 6 x 8 = 48 Batterien – siehe oben) mitgenommen werden. Beim Kauf unbedingt auf das neueste Haltbarkeitsdatum achten (2010: Haltbarkeit mindestens bis 2017).Dann haben die Batterien die größte Leistung und Lebensdauer. Batterien mit nur mehr einem Jahr Haltbarkeit, meist extrem günstige Sonderangebote, funktionieren in einem Notebook keine 15 Minuten.

Hygieneartikel, Unterwäsche und Kleidung müssen ebenso wie die Verpflegung individuell angepasst werden. Frühe rhatte ich noch einen Trainingsanzug dabei. Adria und Ägäis sind im Sommer so warm, dass ich auf ihn verzichten konnte. Unter Umständen zog ich die „Straßenkleidung“ an und bei Regen der Paddelanorak darüber.

Ob man in diesen Gegenenden unbedingt kochen will, muss jeder selber entscheiden. Ein kleines Kochgeschirr mit Brennstoff passt sicherlich noch in den Kajak. Notfalls müsste der Verpflegungs- oder Wasservorrat entsprechend gekürzt werden. Ich persönlich esse da unten in der Regel kalt. Bei Bedarf passe ich mich kurzzeitig der Zivilisation in einem Restaurant oder Beachbar anund pflege dann meist nach 4 bis 5 Halben Bier die entsprechende Konversation mit den Ureinwohnern oder touristischen „Individual-Aussteigern“ - meist in meinem mir speziell angeeigneten Bavarian-English.

Muss der Kajak mit dem Bootswagen über eine längere Strecke von mehreren Kilometern gekarrt werden, ist es dringend zu empfehlen, bei PE-Booten die Enden zu entlasten und die Hauptlast in die Sitzluke genau über den Bootwagen zu legen, ansonsten kommt man am Ziel mit einer „Hängematte“ an, mit zwei schleifenden Enden am Boden. Ich hatte das Problem, wenn ich den Kajak mit dem Trailer zur Fähre karrte und dann dort in praller Sonne stundenlang auf den Pott warten musste. Da war ich heil froh, wenn die Wasserflaschen leer, die Verpflegung aufgegessen, die Padddel-T-Shirts aufgebraucht waren und das größte Gewicht in der Sitzluke über dem Bootswagen konzentriert war.

Es gibt einige Optionen, das Gewicht des Kajaks und das Volumen der Ausrüstung zu reduzieren: Man könnte die Reservekleidung weglassen, wenn man sich sicher ist, dass die im Gebrauch befindliche nicht gerade dann ihren Geist aufgibt, wenn man sie benötigt. Man könnte das Reparaturmaterial weglassen, wenn man sich sicher ist, dass nicht doch einmal das Messer mit der Spitze in die Luftmatte fällt und ein Loch hineinsticht (Ist mir auf Rodos auf steinigem Untergrund passiert und ich war heil froh „Seam Grip“ dabei gehabt zu haben.). Man könnte noch viel mehr weglassen, wenn der Geldbeutel und das Konto so gut bestückt sind, dass man sich alles kaufen kann. Aber wir sind Outdoor- und Survival-Freaks und unser Ehrenkodex verbietet uns, so kapitalistisch zu handeln, wie einige Pseudoindividualisten das uns vorleben. Man muss beim Vorbeipaddeln nur einen Blick in die sich karnickelartig vermehrenden Marinas werfen, die die Natur, insbesondere die Küsten mehr zerstören, als alle Outdoor-Freaks dieser Welt zusammen.

Nach meiner Statistik, die die Verwendung der einzelnen Gegenstände untersucht, habe ich maximal

50 % auch wirklich benutzt, die meisten davon abernur einmal (z.B.: Werkzeug). Paradoxerweise nehme ich aber diese „überflüssigen“ Dinge immer wieder mit - man könnte sie doch einmal brauchen. Es ist halt die persönliche Einstellung, was man als notwendig erachtet. Die Hemmschwelle für den Schritt zum absoluten „Nein“ scheint psychologisch bedingt zu sein und zivilisatorische Ursachen aufweisen.

Bei der Ausrüstung setzt jeder seine eigenen Prioritäten und Außenstehende wie ich können eigentlich nur Empfehlungen geben. Entscheiden muss man selbst! Und gerade das macht ja für jeden einzelnen von uns die Auswahl des Equipments so spannend und interessant. Ironie an - Es ist doch immer wieder schön, wenn man am Lagerfeuer, gemütlich zusammensitzt, mit einer Tasse heißem ungesüßten Brenn-nesseltee in der Hand und mit der anderen herzhaft in die Schale mit knackig gerösteten,proteinreichen Maden und Würmern greifen und dabei über ein angenehmes, menschenverbindendes Gesprächsthema klönen kann, wie zum Beispiel: „Was nehme ich auf meiner Wanderung als Equipment mit?“ oder „Wäre nicht ein Teebeutel mit einer Ceylon-Assam-Mischung und geröstete, leicht gesalzene Soyabohnen aus einem Naturkostladen angenehmer?“, weit weg von den Stammtischphrasen und der Wohlstandsrhetorik der Biedermänner und-frauen - Ironie aus.

Bei der Zusammenstellung meiner Ausrüstung für die nächsten Tour denkt ich immer an Alexander Mackenzie und an seine Philosophie über das richtige Expeditions-Equipment: Von dem was Ihr mit- nehmen wollt, werft die Hälfte weg, wartet einige Tage und werft wieder die Hälfte weg, wartet einige Tage und ... - na ja, zum Schluss bleibt dann der 100-prozentige „Extrem-Survival-Experte“ übrig, der sogar seinen Lendenschurz ohne Hilfsmittel und ohne Rambo-Messer selbst anfertigen kann, nach dem Motto: Je breiter das Wissen über Survival, desto schmäler die Ausrüstung!

   

 

 

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