KF-23 - Seekajak-Tour Dalmatien/Kornaten - 7. Tag - 15.08.2015


verfasst 2016 - geändert am 28.04 2016


Die dazugehörenden Kapitel im Reisebericht: „Zum Donnerwetter mit dem Seekajakherz“ von meiner Paddelpartnerin Suomalee findet Ihr bei den „Outdoorseiten“ im Post #12 mit den Überschriften:
„SCHEIN UND SEIN“ und „APOKALYPSE NOW“ --->
klicke: “hier“
(Quelle: https://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php/88614-HR-Zum-Donnerwetter-mit-dem-Seekajakherz?p=1431529&viewfull=1#post1431529)



Bild 01: Der Streckenplan vom 15.08.2015, mit „google-earth“ erstellt.


Etmal: 22,9 km - gepaddelte Strecke gesamt: 127,9 km


Wie vereinbart, begaben wir uns auf einen Ausflug zum Einkaufen nach Sali. Natürlich packten wir unsere gesamte Ausrüstung zusammen, denn, obwohl wir vorgehabt hatten, wieder hierher zurückzukehren, war es sicherer, alles mitzunehmen. Man konnte ja nicht wissen, wohin es einen verschlagen wird. Außerdem hätte das Zurückgelassene als „Strandgut“ bezeichnet werden können - wäre fatal gewesen, z.B. beim Hopfengold. (Smiley. „Lächeln“)


Kurzer Zwischenstopp auf der Insel Dugi Otok

Nord: 43 grd, 52 min, 34 sec - Ost: 15 grd, 11 min, 59 sec


Nach dem Kap Turcina legten wir eine kurze Pause ein, denn wir wollten eine Lager-Alternative erkunden, falls der Anleger bei unserer Rückkehr belegt wäre. Leider fanden wir an dieser Stelle, trotz guter Gelegenheit zum Ausbooten, keinen passenden Platz in entsprechender Größe, höchstens für ein Notlager unter Pinien.


Zwischenstopp in Sali auf der Insel Dugi Otok

Nord: 43 grd, 56 min, 15 sec - Ost: 15 grd, 09 min, 54 sec


Seit unserem letzten Besuch im Jahre 2011 hat sich Sali sehr gewandelt, nicht von den Baulichkeiten her, sondern vom Publikum. Dieser Ort ist von einem beschaulichen Inselhafen zu einem Sammelbecken hektischer Geschäftigkeit mutiert.


Wir kauften in einem überfüllten Supermarkt ein, erstanden in einer Bäckerei extra für uns frisch zubereitete Böreks, ließen uns die türkischen Strudel auf einer Parkbank schmecken und suchten dann eine Eisdiele auf. Es war die Hitze und die drückende Schwüle, die uns Lust auf Abkühlung in Form eines Speiseeises gemacht hatten.


Wieder auf dem Wasser, waren wir froh, der Hektik des Hafens entronnen zu sein, und die leichte Brise auf dem Meer fühlte sich auf unserer erhitzten Haut erfrischend an.


Ankunft im Lager auf der Insel Dugi Otok, Bucht nördlich hinter dem Südkap Vidilica

Nord: 43 grd, 52 min, 10 sec - Ost: 15 grd, 11 min, 45 sec


Alles war so, wie wir es verlassen hatten, auch keine Menschenseele war zu sehen. Nur SVETI, die weiße Katze, begrüßte uns wieder in ihrem Revier. Wir richteten uns abermals häuslich ein. Nicht ganz: Ich bereitete Lee langsam darauf vor, dass für heute Abend und in der Nacht Regnen und Gewitter vorhergesagt worden waren.


Wir haben alle erdenklichen Alternativen in Erwägung gezogen, auch die, unseren Lagerplatz zu verlassen und in der „Zivilisation“ Unterschlupf zu suchen. Das sahen wir aber, jetzt bereits zur vorgerückten Stunde, als kontraproduktiv an. Wir hatten keine Informationen, ob bei den Restaurants, die sich in der näheren Umgebung befanden, Übernachtungsmöglichkeiten vorhanden waren. Auf's Geratewohl bei angekündigtem Unwetter einfach loszupaddeln, wäre sträflicher Leichtsinn gewesen.


Aus diesem Grund hatten wir uns entschieden, am Anleger zu bleiben, obwohl wir uns gewahr waren, dass durch die Bora ein Gewitter vom Velebit-Gebirge auf uns zukommen wird. Wir hatten noch genügend Zeit, das Zelt auf der Mole aufzustellen und es in aller Ruhe entsprechend abzuspannen und gegen den Sturm zu sichern. Als das Wetterleuchten im Nordosten über dem Velebit-Gebirge begonnen hatte, schickten wir uns an, unser Vorhaben zu verwirklichen.


Nachdem wir uns auf das nun Bevorstehende eingehend vorbereitet, nur das Notwendigste (Liegematten) in das Zelt geräumt, alles andere (sogar die Schlafsäcke) in den Booten sicher verstaut hatten, suchten wir uns auf einer Steinplatte einen Logenplatz, nahmen die Tassen, das Hopfengold und genossen das nun beginnende Spektakel, aus der „Ersten Reihe“ ...


Ich möchte hier meinen Bericht für diesen Tag und diese Nacht beenden und dafür auf die Erzählung von Lee verweisen, die die folgenden Stunden bis zum Abklingen des Gewittersturms sehr anschaulich im zweiten Kapitel unter dem Titel „APOKALYPSE NOW“ geschildert hat. Den Link dazu findet Ihr oben (ungefähr bis zur Mitte scrollen).

 


Bild 02: „Schau, genauso sahen die drei Blitze beim Unwetter aus, die vor uns gleichzeitig auf eine der vorgelagerten Inseln einschlugen“, kommentierten wir beide spontan ein Firmenlogo, wie im Bild dargestellt, das uns bei der Heimfahrt an einem Lieferwagen aufgefallen war.


Anmerkung und Tipp:


Ein Forumsmitglied der Outdoorseiten hat zu Lees Unwetter-Beschreibung folgenden Kommentar abgegeben (Ich habe die Icons weggelassen und die Absätze mit Bindestrichen markiert.):


Danke für den Reisebericht. - Zitat von Suomalee - „... Ich steckte meinen rechten Fuß in die untere rechte Zeltecke und meinen rechten Arm in die obere rechte Ecke, um das Zelt meinerseits auf dem Boden zu halten. Walter tat das Gleiche mit seinen linken Gliedmaßen auf der anderen Seite. ... Walter und ich hielten Händchen. ...“ - Das ist ja die denkbar ungünstigste Konfiguration, wenn ein Blitz in der Nähe einschlägt und Bodenströme auftreten. - Vor Nachahmung wird gewarnt, siehe VDE-Merkblatt "Blitzschutz beim Zelten".


Hier gebe ich Suomalee völlig Recht und schließe mich ihrem Kommentar an, wenn sie folgendes geantwortet hat:


Ich habe nur beschrieben, was wir gemacht haben. - Das Ganze ist auf keinen Fall eine Anleitung zur Nachahmung. - Wir hatten weiter nichts zum Schutz vor den Blitzen. - Im Zelt waren wir ausschließlich zum Schutz vor dem Regen! - Das ist ja gerade der Grund, wieso Walter und ich wirklich richtig Schiss hatten. - Im Nachhinein lässt sich natürlich mit Schmunzeln darüber berichten, doch die Situation war absolut gefährlich. - Gut, Händchenhalten war noch falscher als falsch ... - Danke für das Merkblatt, es ist in jedem Falle lesenswert ...


Zusätzlich dazu möchte ich einen Kommentar aus meiner Sicht über die Gefahren bei einem Gewitter im Outdoor-Bereich abgeben und aufzeigen, welche Überlegungen zu dem Entschluss geführt haben, am Steg zu bleiben:


01 - Der Anleger stellt die tiefste Stelle der gesamten Bucht dar. Nach allgemeiner Meinung ist dort die Gefahr eines Blitzeinschlags am geringsten. Diese Behauptung stimmt allerdings nur bedingt! Der Weg eines Blitzes hängt viel mehr von der dieelektrischen Beschaffenheit der Atmosphäre ab, als alleinig von den höchsten Punkten (Blitzableiter-Funktion). Gewiss werden aber beide Optionen zusammenspielen und sich ergänzen.


02 - Zwischen dem heraufziehenden Gewitter und unserem Standort liegen noch mehrere Inselketten (Ugljan - Pasman / Iz - Sit / Lavdara - Zut), die als „Blitzableiter“ angesehen werden können.


03 - Diese Inselketten wirken auch für die Gewitterwolken als Wall, an dem sie sich stauen und in der Regel hängenbleiben.


04 - Durch den Seewind am Tag (z.B. Maestral) werden die Quellwolken landeinwärts getrieben und bildet so eine zusätzliche Sperre. Kennzeichen dafür sind die häufigen Regenfälle an der Küste und im Land, während auf See die Sonne scheint. Setzt einen Bora ein, unterläuft sie als Fallwind meist den Seewind und drückt ihn nach oben, sodass sich dann die „Wolkensperre“ sogar noch verstärken kann. Daher auch oft der Sonnenschein auf See, wenn die Bora bläst.


05 - Durch die Zeltunterlagen, die zusätzliche Polsterung durch die zusammengefaltete Plane, den Zeltboden und unsere Liegematten hat sich die Isolierung erhöht.


06 - Der Anleger ist zum Glück zu den sich im Meerwasser kreisförmig aufbauenden „Potential-Linien“ tangential gelegen, falls ein Blitz in Folge der Zugrichtung des Gewitters vor uns ins Wasser eingeschlagen wäre. Deshalb wären auch wir parallel zu den Potential-Linien gelegen. Das heißt: Der Potentialunterschied wirkt sich nur auf die Körperbreite und nicht auf die Körperlänge aus, was eine Minderung der am Körper anstehenden elektrischen Spannung um etwa 75 % (Rücken-/Bauch-Lage) und bis zu 90 % (Seitenlage, die wir ja durch das Abstützen des Zeltes eingenommen haben) bedeutet. Das Händchenhalten hätte im absoluten Gefahrenfall (Gewitter direkt vor/über uns) allerdings unterbleiben müssen, weil sich dadurch der Potentialunterschied und somit die elektrische Spannung erhöht! (Smiley: „Lächeln“) Na ja, lange hielten wir sowieso nicht Händchen, weil wir alle Extremitäten benötigten, das Zelt gegen den enormen Winddruck der Bora zu stabilisieren. - Bemerkenswert dabei ist, dass die „Bodenverankerungen“ (siehe dazu den Bericht von Lee) an den vier Zeltecken und an der Apsis auf der Mole dennoch gehalten haben. Die „menschlichen“ Stützen dienten lediglich nur dazu, damit das Zelt-Gestänge nicht knicken konnte. Das aber nur am Rande.


07 - Die Potential-Linien (= Orte gleicher Spannung) eines Blitzes verlaufen bei homogenen Bodenbeschaffenheiten des Untergrunds (z.B. Wasser, Ackerboden, Wiesen, Sand usw.) von der Einschlagstelle aus dreidimensional kreisförmig bis sie das Potential Null erreicht haben. Man kann sich das bildlich so vorstellen, dass zum Beispiel im Meer alle Punkte mit dem gleichen Potential wie die Schale einer Halbkugel unter Wasser aussehen: In der Einschlagstelle mit maximalem Potential (= höchste elektrische Spannung) und dann mit immer größer werdendem Radius kontinuierlich bis Null abnehmend. Ist man im Meer (kleiner spezifischer Widerstand) vom Blitzeinschlag rund 100 m entfernt, so besteht nach Expertenmeinung kaum noch eine Gefährdung. In manchen Publikationen liest man sogar von nur 50 m. Wegen der halbkugelförmigen Ausbreitung gelten diese Werte auch für Taucher ... und für Fische. (Smiley: „Lächeln“)


08 - Befindet sich ein Widerstand radial zum Einschlagpunkt, liegt an den Endpunkten des Widerstands eine Spannung an, die aus der Differenz des höheren zum niederen Potential entsteht. Beim Menschen nennt man das Schritt- oder Berührungs-Spannung. Es fließt nach dem Ohmschen Gesetz (U = I x R) der entsprechende Strom. Befindet sich nun dieser Widerstand tangential zum Einschlagpunkt (d.h. parallel zu den Potential-Linien) liegt an den Endpunkten des Widerstands keine Spannung an, weil am Widerstand das gleiche Potential ansteht. Es fließt deshalb auch kein Strom durch den Widerstand.


09 - Der menschliche Körper (etwa 1.000 Ohm) verhält sich wie ein Widerstand. Damit für den Menschen einen Gefahr entsteht, muss der Widerstand der Person wesentlich kleiner sein, als der Widerstand der Substanz (Erde, Sand, Wasser usw.) auf der der Korpus liegt bzw. in der er sich befindet, damit ein entsprechend gesundheitsgefährdender Strom fließen kann. Physikalisch gesehen handelt es sich um eine Parallelschaltung von zwei Widerständen (Substanz und menschliche Körper) an denen die selbe Spannung anliegt und die Ströme entsprechend den Widerständen aufgeteilt werden. Das heißt: Ist der Körperwiderstand kleiner als der der Substanz auf der der Korpus liegt, fließt ein höherer Strom durch die Person. Ist der Körperwiderstand größer als der der Substanz auf der der Korpus liegt, fließt ein kleiner Strom durch die Person. Sind die Widerstände gleich groß, fließen auch gleich große Ströme (Das wäre ungefähr bei einem Menschen mit entsprechendem Fettgewebe in der Badewanne mit Leitungswasser oder bei einer Person, die im Freibad schwimmt, der Fall.).


10 - Will man die Gefahren eines Gewitters minimieren, muss man auf drei Dinge achten:

- nicht als Blitzableiter fungieren (z.B. nicht über einen Meter auf einer Ebene hinausragen),

- einen großen Potentialunterschied vermeiden (z.B. geschlossene Beine),

- das Material beachten, auf oder in dem man sich befindet (z.B. Meerwasser hat einen kleineren spezifischen Widerstand als der menschliche Körper, trockenes Erdreich, Sand, Fels usw. in der Regel einen größeren).


Interessierte können natürlich im Internet dazu zahlreiche Einträge finden, mit mehr oder weniger guten Ratschlägen. (Smiley: „Lächeln“)


Fazit


Wir haben beim Abwettern sämtliche vorhandene Möglichkeiten wahrgenommen, um Schädigungen durch einen Blitzeinschlag zu minimieren. Es sind die örtlichen Begebenheiten berücksichtigt worden, ebenso das uns zur Verfügung gestandene Material, und wir haben unser ganzes Wissen über Gewitter im Allgemeinen eingebracht und ich meine berufsbedingt speziellen Kenntnisse über die Gefahren von Unfällen bei gerissenen Hochspannungsleitungen (Auf das weitaus gefährlichere, ja lebensbedrohliche „Herzkammerflimmern“ bin ich nicht eingegangen, weil die Voraussetzungen wegen des Wechselstroms ganz andere sind!) und über den Blitzschutz von oberirdischen Telefonleitungen in ländlichen Gebieten, insbesondere in der Holledau mit seinen Hopfengärten, wenn es auch nicht explizit ausdiskutiert worden ist. - Den Umständen entsprechend sind wir optimal geschützt gewesen.


Meine oben aufgezeigten Überlegungen über das Verhalten von Gewittern haben sich absolut bewahrheitet: Die Gewitterwolken sind tatsächlich bereits an der ersten Inselkette (Ugljan - Pasman) hängen geblieben und kaum darüber hinweggezogen (maximal bis zur Insel Zut). Zwischen dem Velebit-Gebirge und der dritten Inselkette hat sich der ganze Trubel ausgetobt. Die Proversa selbst ist von den Blitzen verschont geblieben.


Dennoch hätten wir womöglich die ganze Situation in der Hochphase des Gewitters mit seinen permanenten Blitz- und Donnerschlägen wesentlich ängstlicher betrachtet und vielleicht sogar dann panikartig völlig falsch reagiert, wenn nicht das Hopfengold dazu beigetragen hätte, dass wir das Ganze so „locker“ gehandhabt haben. Achtung: Das ist keinesfalls eine Aufforderung, mit diesem probaten Hilfsmittel jedes Gewitter zu überstehen! (Smiley: „Zwinkern“)

 

 

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