BK-21 - Spiritus-Dosenkocher - Bau und Erfahrung


verfasst 2016 - geändert am 20.06.2016


In diesem Beitrag möchte ich den Bau von auslaufsicheren Spiritus-Dosenkochern vorstellen, die nach dem einfachen Prinzip mit einer offenen Flamme (Open Flame Alcohol Stoves) arbeiten. Diese beiden Feuerstellen habe ich speziell für meine Zwecke konstruiert. Ein Brenner wird für meinen Feldflaschenkocher eingesetzt. Er ist so konzipiert, dass er einen halben Liter Wasser in der Deckel-Tasse sicher zum Kochen bringt. Der zweite Kocher dient zum allgemeinen Speisenzubereiten in Schüsseln, Töpfen, Wasserdosen und Pfannen.


Bei dem zweiten Dosenkocher habe ich einen Langzeit-Erprobung innerhalb von 1 1/2 Jahren mit über 600 Kochvorgängen durchgeführt, bis er die ersten Ermüdungserscheinungen gezeigt hat. Nach einer kleinen Renovierung dient er weiterhin als mein täglicher Kocher.



Bild 01: Die Grundmaterialien für die beiden Kochdosen, eine Hustenbonbon-Dose und eine kleine Konservendose, die ich ausgesucht habe, damit sie in meinen Feldflaschenkocher passt. Links oben sieht man den Prototyp für meine auslaufsicheren Univeral-Dosen-Kocher.

 


Bild 02: Die Markierungen sind angezeichnet und bereits Löcher gebohrt, damit ich mit einer handelsüblichen Allzweckschere die notwendigen Schnitte tätigen kann.



Bild 03: Die nötigen Schneidearbeiten sind grob ausgeführt ...



Bild 04: ... und hier mit Schere, Feile und Schleifpapier endgültig bearbeitet worden.



Bild 05: Die Abdeckgitter (feines Streckmetall) werden in die Deckel eingepasst.



Bild 06: Die Dosen stehen zum Füllen mit der Steinwolle bereit.



Bild 07: Diese Menge Steinwolle wird zur Füllung benötigt.



Bild 08: Die Wolle wird vorsichtig und gleichmäßig in die Dose gedrückt. Damit das Ganze sauber aussieht, sollte die obere Schicht möglichst glatt sein.



Bild 09: Die Universal-Kocher-Dose ist zusammengefügt.



Bild 10: Bei der kleinen Konservendose muss man das untere Teil am oberen Rand etwas weiten und in den Deckel an den Seiten kleine Dreiecke herausschneiden, damit man sie leichter zusammenfügen kann.



Bild 11: Hier ist die Dose bereits verpresst. Am besten gelingt es mit einem Schraubstock, indem man Unter- und Oberteil vorsichtig und gleichmäßig zusammendrückt.



Bild 12: Beide Dosenkocher sind fertiggestellt und ab September 2014 zum Einsatz bereit.



Bild 13: Die Einzelteile des Feldflaschenkochers – der Kocher-Grundkörper (links oben), die Feldflasche mit ca. 800 ml Inhalt (rechts oben), die abschraubbaren Halte- und Tragebänder (dahinter), die Tasse mit einem maximalen Inhalt von 500 ml und Klapphenkel (rechts vorne), das selbst gebastelte Zubehör: zwei Tassenhalter, zwei Auflagestifte für das Gitter (gröberes Streckmetall) und der oben vorgestellte Dosenkocher. (links vorne).



Bild 14: Blick in das Innere meines Feldflaschenkochers – oben kann man einen eingeschobenen Tassenhalter erkennen. Unten sind die Auflagestifte und das Gitter zu sehen. Diese Art des „Brennrostes“ ist für ein Holzfeuer geeignet. Bei Verwendung von Spiritus wird der Dosenkocher einfach auf das Gitter gestellt und durch die Feueröffnung angezündet.



Bild 15: Das Flammbild mit dem Dosenkocher. Die Höhe des Kochers habe ich so bestimmt, dass die Flammen nicht aus und über den Kocher schlagen können, und die Größe ist so bemessen, damit ich einen halben Liter Wasser auch bei Wind sicher zum Kochen bringen kann.



Bild 16: Nachdem der halbe Liter Wasser unter Normalbedingungen gekocht hat, brennt der Kocher noch kurze Zeit nach (Reserve bei Wind). In der Praxis erhitze ich nur ca. 400 ml Wasser, damit es nicht überkocht.



Bild 17: Das Flammbild des Universalkochers bei einer großen Pfanne (28 cm Durchmesser). Der Topf-Ständer ist durch frühere Erfahrungen in der Höhe so abgestimmt, damit er bei durchschnittlicher Heizleistung zu einem optimalen Kochergebnis führt.



Bild 18: Der große Dosenkocher vor dem ersten Einsatz (September 2104) ...



Bild 19: ... und nach rund 600 Kochvorgängen (Februar 2016). - Dabei sind über 40 Liter Brennspiritus verbrannt worden. Das dünne Blech der Pullmol-Dose ist stark korrodiert, Abdeckgitter und Steinwolle haben die Prozedur ausgezeichnet überstanden. Dass Steinwolle zerbröselt und dadurch eine Gesundheitsgefährdung wie bei Asbest eintreten könnte, wie in einigen Foren vermutet worden ist, habe ich nicht feststellen können. Im Gegenteil: Bei anderen Ultraleicht-Kochern (z.B.: Teelicht-Kocher, Cremedosen-Kocher usw. - siehe dazu meinen BeitragBK-19 - Gedanken zu „auslaufsicheren“ Spiritus-Dosenkochern“, klicke: “hier“), die ich ohne Abdeckung verwende, habe ich beobachtet, dass die Steinwolle an der Oberfläche durch die Hitze leicht verklebt und somit vor dem Zerbröseln geschützt ist. Allerdings darf die „verklebte“ Wolle keinem Druck (z.B.: Finger, Transport usw.) ausgesetzt werden, denn dann brechen die Fasern tatsächlich. Bei der „blauen“ Creme-Dose (Nivea) verwende ich den Deckel als Transportschutz. Teelicht-Kocher betrachte ich mehr als Spielerei, um „ultralight“ zu demonstrieren. Für den harten Einsatz im Outdoorbereich sind sie meines Erachtens - wegen der Instabilität – völlig ungeeignet.



Bild 20: Der große Kocher nach rund 600 Einsätzen einschließlich dem Topf-Ständer ...



Bild 21: ... und hier, nachdem ich die Kocherdose „instandgesetzt“ habe (Juni 2016). Dabei habe ich lediglich die abstehenden verrosteten Ränder mit einer kleinen Nagelschere abgeschnitten. Ich bin gespannt, wie lange die Kocherdose noch zuverlässig arbeiten wird. Wenn sie endgültig ihren Geist aufgegeben hat, werde ich hier berichten.


Fazit:


Man kann sich natürlich auch industriell gefertigte Spirituskocher kaufen. Das habe ich zu Beginn meines Outdoor-Lebens, Anfang der 1960er Jahre, ebenso gehandhabt. Aber ab dem Beginn des Survival-Booms in den 1970er Jahren bin ich dazu übergegangen, mir meine Basis-Ausrüstung selber anzufertigen oder auf Recycling-Material zurückzugreifen, das dann instandgesetzt wird. Durch die Eigenproduktion erhalte ich außerdem das erforderliche Know-how, mir im Katastrophen-Fall selber helfen zu können.


Ausblick:


Wenn mein auslaufsicherer Universal-Dosen-Kocher einmal seinen Geist aufgegeben hat, werde ich mir einfach einen neuen bauen. Hustenbonbon-Dosen habe ich noch. Im Prinzip brauche ich an der Konstruktion nichts verändern. Einzig den Deckel werde ich größer ausschneiden, etwa so, wie ich ihn instandgesetzt haben. Er muss ja nur das Abdeckgitter halten, das ich sogar wieder verwenden kann. Dann kann ich auch eine größere Eisenpfannen mit 32 cm Durchmesser verwenden.


Alternativ schwebt mir eine etwas robustere Kocherdose aus Weißblech (z.B.: Thunfisch-Dose, kleine Konservendose usw.) vor, ähnlich der Variante meines Feldflaschenkochers. Wegen der Stabilität würde ich sogar ein höheres Gewicht in Kauf nehmen.


Zur Zeit teste ich gerade einen selbst entworfenen und gebauten ultraleichten Druckgaskocher, der nach dem Trangia-Prinzip (Open Jet Stove) arbeitet. Einschließlich dem Topfständer wiegt er 28 g. Die Bauzeit beträgt in der Einfachausführung rund 6 Minuten, wobei beim Anfertigen des Topfständers etwa 5 Minuten anfallen, und der Kocher kostet praktisch ... nichts, weil alle Werkstoffe aus Abfall beziehungsweise aus Recycling- oder Rest-Material (geschweißter Hasendraht) hergestellt worden ist. Im nächsten Beitrag: „BP-19 - Utraleichter Druckgaskocher „Open Jet Stove“ (Trangia-Prinzip)“ - werde ich diesen Kocher als Projekt vorstellen.

 

 

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