BK-13 - Spiritus-Dosenkocher mit erhöhter Auslauf-Sicherheit

 

verfasst 2013 - geändert am 06.09.2013

 

Dieser Aufsatz stellt praktisch eine Ergänzung zu meinen Ausführungen im Beitrag BK-11 „Ultraleicht-Kochsets für Spiritus-Dosenkocher“ dar (siehe “hier“). Ich möchte eine neue Variante meiner kleinen Spiritus-Dosenkocher vorstellen, dieses Mal mit erhöhten Sicherheitsansprüchen, einer längeren Brenndauer und mit einfachster Bedienung, ähnlich meinem Creme-Dosenkocher, der nur zum Erwärmen von kleinen Mengen vorgesehen ist, aber nicht zum Kochen.

 

Warum einen Dosenkocher mit erhöhter Sicherheit? Mir kippte einmal ein offener Dosenkocher (Super-Cat-Stove ohne Topfständer) auf einem unebenen Steinboden um und der brennende Spiritus lief aus. Zum Glück ist das in der freier Natur passiert und ich habe das Feuer durch Ausschlagen mit dem Geschirrtuch schnell löschen können.

 

Um das Problem der Auslaufsicherheit zu lösen, habe ich mich dann an meine alte Petroleumlampe (Feuerhand Baby) erinnert, die meine Frau und ich auf unseren Donau-Touren im Kanadier, Anfang der 1970er Jahre, mitgeführt haben, um am Abend genügend Licht zu erhalten. Rittlinger lässt dabei grüßen!

 

Nur so nebenbei: Wir haben uns damals über den Kanadier ein Zelt gebaut, ähnlich einem Planwagen, noch aus Baumwollzeltstoff und einem Drahtgestänge (5 mm Durchmesser!). Es wird wie eine Spritzdecke in den Süllrand eingehängt und an Bug und Heck abgespannt. Unter diesem Zelt können wir uns im Kanadier mückenfrei und regengeschützt aufhalten, schlafen und kochen. Es ist nach über 40 Jahren immer noch einsatzfähig und im Gebrauch, wenn auch nur mehr sehr selten!

 

Die Petroleumlampe war keineswegs dicht, und wir mussten sie anfangs zwangsweise stehend transportieren. Damit das Petroleum nicht herausrinnen konnte, stopfte ich Watte in den Tank, die das Petroleum aufsaugte, genauso wie bei den alten Benzinfeuerzeugen. Dadurch erhielt ich eine absolut auslaufsichere Petroleumlampe und ich konnte sie im Kanadier, im Kajak und später auch in unserem ersten Campingbus liegend transportieren. Nachteil war allerdings, die kürzere Leuchtdauer der Lampe, weil sich das Tankvolumen durch die Watte verringert hatte, beziehungsweise ich den nicht gänzlich aufgesaugten Brennstoff wieder in den Behälter zurückschütten musste, um den Vorteil der Sicherheit nutzen zu können. Einige Tage hielt sie bei mäßigem Gebrauch aber spielend durch.

 

Dasselbe Prinzip wende ich auch bei meinem „Sicherheitskocher“ an! Der Unterschied besteht lediglich darin, dass die Verbrennung nicht über einen Docht erfolgt, sondern direkt. Das heißt, ich muss anstelle der Watte ein feuerfestes Material verwenden. Dazu verfiel ich auf Steinwolle, die mir von Isolierarbeiten am Haus übrig geblieben ist. Sie ist billig und in jedem Baumarkt erhältlich. Eventuell bekommt man ein Stück Abfall auf einer Baustelle umsonst. Nach einigen Brennversuchen hat sich gezeigt, dass Steinwolle, aber auch Glaswolle und dergleichen, der Hitze standgehalten hat und als „Saugmittel“ sehr gut geeignet ist. Auf das teure Material aus Amerika, das zur Zeit in den „Myog-Foren“ diskutiert wird, kann ich dabei getrost verzichten. In meinem kleinen Creme-Dosenkocher habe ich dieses einfache, billige Prinzip zum ersten Mal verwirklicht und dabei Erfahrungen gesammelt. Allerdings fehlt bei diesem Mikro-Kocher aus Gewichtsgründen das Haltegitter; er sollte ja „ultraleicht“ werden. Dafür besitzt er einen Transport-Deckel. Vorgestellt habe ich den Mikro-Kocher und das Prinzip in meinem Beitrag BK-11 „Ultraleicht-Kochsets für Spiritus-Dosenkocher“ (siehe „da“).

 

 

Bild 1: Meine für diesen kleinen Sicherheits-Dosenkocher vorgesehenen Kochutensilien von links nach rechts: große Topfschüssel (1,0 l) - Drahtgitter-Topfständer, massiv - darin der „Transportklotz“ aus Holz als Hitzeschutz für die Finger, der zugleich auch als Ständer für den Dosenkocher zum Einsatz kommt, um den Abstand zum Topf zu verringern - Tasse mit Klapphenkel (0,5 l) - Selbstbau-Griffzange - kleine Topfschüssel (0,5 l) - Draht-Topfständer, ultraleicht - darunter der neue Dosenkocher. Alle Speisebehälter bestehen aus Edelstahl. Natürlich kann man auch alle anderen Behältnisse und Materialien verwenden, die gerade auf dem Outdoormarkt so en vogue sind.

 

 

Bild 2: Flammbild des Dosenkochers ohne Topf - Es sieht wie eine große Kerzenflamme aus. Dadurch konzentriert sich die Hitze auf einen relativ engen Bereich. Diesen Umstand nütze ich für meine hier verwendeten Topfschüsseln und Tasse, die in der Mitte eine leichte Erhebung aufweisen. Im Prinzip brennen durch die konzentrierte Hitze nur in diesem mittleren Bereich Nahrungsmittel an und kaum am Rand, der mit einem Kochlöffel schlecht zu erreichen ist. Auf dieser geraden Fläche lässt sich aber ein stärkeres Anbrennen durch „Schaben“ leichter vermeiden, wie bei Bild 8 ausführlich beschrieben ist.

 

 

Bild 3: „Ultraleicht-Topfständer“, Höhe 80 mm, Auflage-Durchmesser 105 mm, für den Rucksack, hier mit 1,0-l-Schüssel und Dosenkocher - Durch das minimale Gewicht von nur 23 g geht natürlich etwas von der Stabilität verloren. Wenn man die Fragilität des Topfständers beim Umrühren aber im Auge behält, ist er zum Kochen durchaus geeignet (siehe dazu die Erklärungen zu Bild 8). Von mir persönlich wird diese Art von Topfständer überwiegend zum Erhitzen von Wasser bevorzugt, weil das notwendige Umrühren beim Kochen entfällt.

 

Will man auf Rucksackwanderungen allerdings nur Wasser für Tütenfutter, Tee oder Kaffee kochen, empfehle ich einen Drahttopfständer mit nur einer Höhe von 45 mm zu biegen und den Durchmesser genau auf den verwendeten Topf abzustimmen. Meist reicht dazu die Edelstahl-, Alu-oder Titantasse mit 0,5 l Inhalt vollkommen aus. Dann beträgt der „Flammenweg“ nur 21 mm (ähnlich wie in der Abbildung 6). Mit nur 13 g des Ständers und 37 g für den Dosenkocher schleppt man in Rucksack ein Gewicht von insgesamt 50 g mit sich herum. Allerdings kommt dazu noch der Brennstoff (Spiritus) einschließlich des Transportbehälters. Der halbe Liter Wasser kocht mit 20 ml Spiritus (ein Schnapsglas voll mit 2 cl) unter Laborbedingungen dann in etwas 10 Minuten.

 

 

Bild 4: Flammbild mit „Ultraleicht-Topfständer“ mit einer Höhe von 80 mm, Flammenweg 56 mm - Die Flamme trifft genau die Mitte des Topfes, Windstille vorausgesetzt.

 

 

Bild 5: Massiver Drahtgitterständer, Höhe 80 mm, Auflage-Durchmesser 110 mm, schlägt mit satten 58 g zu Buche und ist hauptsächlich für den Transport in fahrbaren Untersätzen (Fahrrad, Pilgerwagen, Boot usw.) geeignet, bei denen das Gewicht eine nicht so große Rolle spielt, hier mit zwei Drahtstangen als Unterlage für den Dosenkocher, das können auch Stöckchen sein, die man vor Ort findet, Zeltnägel oder dergleichen. Hierbei wird der Flammenweg auf 27 mm reduziert. Wie im Bild zu sehen ist, passt auf den Ständer auch meine schmale Edelstahl-Tasse mit einem Durchmesser von 90 mm. Dieser Ständer wird von mir wegen seiner Robustheit und seines sicheren Standes bevorzugt, wenn ich einmal einen Kocher auf meinen Solo-Paddelreisen mitnehme.

 

 

Bild 6: Flammbild mit Drahtgitterständer und Transportklotz (35 mm Höhe) als Kocherunterlage. Dadurch verringert sich der Flammenweg auf 21 mm. Die Flamme breitet sich langsam von der Deckelöffnung mit 47 mm Durchmesser über die gesamte Dose auf einer Flächen mit einer Breite von ca. 70 mm aus. Dies wird erreicht durch die große Auflagefläche der 1-Liter-Schüssel mit (140 mm Boden-Durchmesser). Der Dosenkocher wird dadurch heißer und begünstigt deshalb die größere Flamme. Diese Konfiguration ist besonders geeignet, um Wasser zum Kochen zu bringen. Ein Liter Wasser kocht zugedeckt mit 40 ml Spiritus (zwei Schnapsgläser voll) unter Laborbedingungen in etwa 15 Minuten, ohne Deckel mit 60 ml Spiritus (drei „Doppelte“) in rund 23 Minuten.

 

 

Bild 7: Der Dosenkocher mit dem Drahtgitter-Topfständer - Maße des Kochers: 76 mm Durchmesser insgesamt, 24 mm Innen- und 25 mm Außen-Höhe, 47 mm Deckelöffnung, maximale „Brennflächenbreite“ 70 mm, mit Steinwolle als Auslaufschutz gefüllt und mit einem Streckmetallgitter versehen, 37 g Gewicht. Ungefähr 70 ml Fassungsvermögen - bei drei gefüllten Schnapsgläsern mit 2 cl läuft beim Kippen dabei noch kein Brennstoff aus - Brenndauer (Heizphase) etwa 40 min, 45 min bis zum Erlöschen der Flamme. Die Standsicherheit des Dosenkochers wird auch dadurch gesteigert, weil die Dose dreimal so breit wie hoch ist - im Gegensatz zu den Deo-Dosenkochern mit dem Super-Cat-Stove-Prinzip. 

 

Der Kocher kann auch maximal mit 70 ml Spiritus gefüllt werden, bis sich das Vlies gänzlich vollgesogen hat. Der überflüssige Spiritus wird dann wieder zurück in den Brennstoffbehälter geschüttet - Brenndauer (Heizphase) etwas über 45 min, 50 min bis zum Erlöschen der Flamme.

 

 

Bild 8: Selbstgebaute einfache Topfzange speziell angefertigt zum Halten der verwendeten Schüsseln mit breitem Rand und Wulst während des „Umrührens“. Dabei ist darauf zu achten, dass man nur von und in Richtung der Griffzange das Kochgut umwendet oder rührt, besser eigentlich nur schabt, sonst besteht die Gefahr, dass der Topf vom Ständer rutscht, insbesondere beim Ultraligt-Drahtständer. Alternativ kann man natürlich auch ein entsprechend passendes „Hightech-Industrieprodukt“ erwerben.

 

Weil bei meinen Schüsseln in der Mitte eine erhöhte gerade Fläche vorhanden ist, kann bei einer sehr konzentrierten Flamme nur dort etwas anbrennen. Diese ebene Fläche lässt sich aber mit einem flachen Schaber aus Holz sehr leicht bearbeiten, beziehungsweise das Angelegte abkratzen, indem man wie oben beschrieben den Schaber nur in die Richtung der Topfzange hin- und herschiebt. In diese Richtung kann dann schon kräftiger Druck ausgeübt werden, ohne dass sich der Topf auf dem Ständer bewegt. Dies gilt vor allem, wenn man fettarm kochen will.

 

Es ist von Vorteil, die Lage des Topfes zur Flamme immer wieder zu kontrollieren, damit sie auch in der Mitte des Topfes auftrifft. Beim Zurechtrücken des Topfes auf dem Kocher verwende ich mit der andern Hand den „Transportklotz“ aus Holz (Topfrand in Kerbe des Klotzes). Die Topfzange ist nicht geeignet, den sehr dünnwandigen Topf mit einer Hand zu heben oder zu transportieren ...

 

 

Bild 9: ... Dazu drehe ich die „Holzzange“ um, damit man den Rand des Topfes auf einer größeren Fläche greifen kann. Zusätzlich ist aber immer noch der „Transportklotz“ auf der anderen Seite zu verwenden, weil sich der Rand des vollen schweren Topfes sonst verbiegen würde. Diese praktische Anordnung ist leider nicht zum Umrühren geeignet, weil die Hand zu nahe an der Brennstelle liegt. Bei etwas Wind oder Verrutschen des Topfes kann es dabei ziemlich warm werden. Deshalb verwende ich beim Rühren, mehr beim Schaben, die Topfzange, wie bei Bild 8 beschrieben.

 

Als Fausformel kann man von folgenden Zahlen ausgehen:

- Für je 0,5 l Kochwasser benötigt man mit diesem Kocher 20 ml Spiritus oder einen „Doppelten“ - unter „Laborbedingungen“. Will man im Gelände auf der sicheren Seite stehen, sollte man lieber mit 25 - 30 ml Spiritus rechnen (ein Schnapsglas mit 2 cl, aber randvoll), damit es auch wirklich kocht. Ein Windschutz (z.B. Rucksack, Boot, Zelt, Tarp, eigene Körper usw.) und ein Deckel (z.B. Teller, Keksdosen-Deckel, Alufolie, Schneidbrettchen usw.) verringern natürlich die Kochzeit.

- Jeweils 20 ml Spiritus brennen in diesem Kocher rund 15 min lang, bei 60 ml sind das gemessen etwa 45 min. Allerdings fällt die Leistung in den letzten 5 min stark ab, sodass man mit einer geringeren effektiven Heizleistung rechnen muss (Quell- und Warmhaltephase). Die ungefähre wirksame Heizdauer mit maximaler Hitze beträgt: bei 20 ml = 10 min, bei 40 ml = 25 min, bei 60 ml = 40 min, bei maximal 70 ml = 45 min.

 

Hinweis:

Die Höhe meiner vorgestellten Topfständer von 80 mm sind genau auf meine Topfschüsseln zum Kochen abgestimmt, damit ich eine konzentrierte Flamme in der Mitte des Topfes erhalte. Die Begründung dazu, siehe Beschreibung zu Bild 8, Absatz zwei (Vermeidung des Anbrennens der Speisen durch ständiges Umrühren/Schaben nur auf der ebenen Fläche des Topfbodens!). Bei der Verwendung von Töpfen mit generell flachem, glatten Boden, bei solchen mit Antihaftbeschichtung oder wenn man mit Fett und Öl nicht sparen muss oder will (Wegen der notwendigen Kalorienzufuhr ist das beim Outdoorleben eigentlich überhaupt kein Thema.), kann die Höhe auf 45 mm reduziert werden, wie in der Beschreibung oben zu Bild 3, Absatz zwei angeführt ist. Dadurch verbessert sich die Hitzeverteilung, verringert sich die Kochzeit und der Topfständer kann in Volumen und Gewicht optimiert werden.

 

Dies gilt insbesondere auch für den Drahtgitterständer, so wie er in Bild 5 erklärt ist. Hier kann der untere Gitterring vollkommen entfallen; die Höhe des Ständers reduziert sich dabei auf 53 mm, die Flammenhöhe auf 29 mm. Bei einer Version des Drahtgitterständers mit einem Durchmesser von rund 90 mm, damit der Ständer genau in die Bodenvertiefung der 1-Liter-Schüssel passt, liegt das Gewicht dann bei 39 g, Das gesamte Gewicht des stabilen Topfständers und Sicherheitsdosenkochers erreicht 76 g, aus meiner Sicht ein guter Kompromiss. Spezielle Konstruktionen, wie Kocherunterlagen mit Klötzen oder Stäben sind nicht mehr erforderlich. Siehe dazu auch den Drahtgitterständer im Beitrag BK-01 - „Meine Outdoor-Küchen-Ausrüstung“ (Bild 14) - bei Interesse, klicke “hier“.

 

Fazit  

Mit diesem sehr kleinen Spiritus-Dosenkocher ist ein äußerst einfacher, sehr sicherer, effizienter und nicht auslaufender Kocher entstanden, mit dem man ohne weiteres eine vollwertige warme Mahlzeit für den Outdoorbereich zubereiten kann. Für einen einfachen Eintopf benötige ich als reine Garzeit mit diesem kleinen Kocher lediglich 12 Minuten und komme mit 40 ml Spiritus (zwei Doppelte!) bei Weitem aus, mit entsprechendem Rezept natürlich. Da wird sogar noch das Abwaschwasser heiß!

 

Zu guter Letzt:

In Trekking-Gegenden, in denen ich genügend kleines, dürres Todholz vorfinde, verwende ich bevorzugt meinen Miniatur-Hobo-Ofen mit ganzen 70 g, wie im Beitrag BK-05 - „Vorstellung meiner selbstgebauten Hobo-Kocher - ultralight“ beschrieben (siehe “hier“) oder auf Wander-Tagesausflügen durch die Holledau meinen Feldflaschen-Kocher, der mit Holz oder Spiritus betrieben werden kann, wie im Beitrag BK-01 - „Meine Outdoor-Küchen-Ausrüstung“ (ab Bild 2) vorgestellt ist (klicke “da“). In diesen Fällen spare ich mir den Transport des Brennmaterials, das mit dem entsprechenden Sicherheitsbehälter sehr „gewichtig“ werden kann und zudem im Rucksack etlichen Platz wegnimmt.

 

 

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