KR-13 - Über weltweite Driften und Mahlströme

 

verfasst 2012 - geändert am 29.09.2012

 

Ein Forumsmitglied der Outdoorseiten veröffentlichte einen Link in dem die Meeresströmungen in einer Computersimulation gezeigt werden und ergänzte seinen Beitrag mit dem Beginn einer Strophe aus Friedrich von Schillers „Der Taucher“. Ich gebe hier den Wortlaut seines Artikels wieder:

 

Für Sekajaker und Inselhopser hier mal eine Sicht auf das Wasser, wie es uns verwehrt ist.

 

Link: Perpetual Ocean by NASA - Animation der Meeresströmungen

 

Wohl manches Fahrzeug, vom Strudel gefaßt,

Schoß jäh in die Tiefe hinab,

Doch zerschmettert nur rangen sich Kiel und Mast,

Hervor aus dem alles verschlingenden Grab ..."

aus Geschehen am Abgrund eines Mahlstroms

 

Ihm ließ ich folgende Antwort zukommen:

 

Vielen Dank für den interessanten Link. Hier werden auf wunderbarer Weise sehr anschaulich die Strömungen in den Weltmeeren gezeigt. Für meine Fahrten habe ich bei der Planung früher meist die englischen Strömungskarten verwendet. Heute benötige ich sie aber kaum noch, weil mir in den Mittelmeer-Regionen, in denen ich in der Regel paddle, zumindest die großen Strömungen und Hauptdriften bekannt sind. Alles Weitere lässt sich bei entsprechender Erfahrung und vorhandenem Grundlagen-Wissen daraus ableiten. 

 

Gut zu erkennen sind in Deinem Link der mächtige Nord-Äquatorialstrom von Ost nach West der durch die Passatwinde verursacht wird (Romer und Lindemann haben ja auf ihm mit ihren Paddelbooten als Pioniere den Atlantik überquert.) und der Golfstrom von Südwest nach Nordost. Diese beiden gewaltigen Strömungen und die dazugehörenden Winde haben die spanischen Seefahrer genutzt, um auf dem Nord-Äquatorialstrom nach Amerika zu segeln und auf dem Golfstrom und anschließend über seinen durch die Corioliskraft in der Mitte des Golfstroms abzweigenden Wirbel wieder zurück nach Spanien zu gelangen. Allerdings haben die Spanier weniger Schiffe durch die Strudel und Mahlströme im legendären Bermuda Dreieick verloren als durch englische und französische Piraten. Es ist auch nicht ganz auszuschließen, dass so manche für einen spanischen Kapitän äußerst peinliche Kaperung durch die „dramatischen“ Erzählungen über die Mahlströme unter den Teppich gekehrt worden ist.

 

Für uns Seekajaker sind die teilweise extrem starken Strömungen zwischen den Inseln, die durch den Düseneffekt entstehen und durch die Tiden hervorgerufen werden von immenser Bedeutung, vielleicht auch berechtigterweise gefürchtet - im Gegensatz zu den etwas schwächeren aber für die „Long-Distance-Freaks“ (Smiley: „zwinkern“, wegen des Internet-Argots) innerhalb der Salzwasser-Gilde interessanten und vorteilhaften Driften, die wir als Unterstützung für unsere Langstrecken-Fahrten nutzen können, wenn die Routenplanungen entsprechend sorgfältig durchgeführt worden sind.

 

Übrigens, der stärkste Mahlstrom der Welt tritt als Gezeitenstrom zwischen den Lofoteninseln Moskenesøy (Südkap) und Værøy in Norwegen auf und ist mit dem Seekajak erreichbar.

 

Den Beginn Deiner von Dir zitierten 11. Strophe möchte ich noch für uns Seekajaker als lyrisch erhöhte Mahnung mit der 17. Strophe ergänzen:

 

Es riß mich hinunter blitzesschnell -

Da stürzt' mir aus felsigtem Schacht

Wildflutend entgegen ein reißender Quell:

Mich packte des Doppelstroms wütende Macht,

Und wie einen Kreisel mit schwindelndem Drehen

Trieb michs um, ich konnte nicht widerstehen. 

 

 

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