BG-12 - Feuer auf Solotouren

 

verfasst 2012 - geändert am 17.10.2012

 

Bevor ich auf einer Seekajak-Tour am Morgen wieder in meinen Kajak steige und mich auf einen neuen Tagesabschnitt begebe, gehe ich noch einmal über den Lagerplatz und schaue genau nach, ob ich nichts vergessen habe. Es wäre ja fatal, zurückpaddeln zu müssen. Allerdings, und das ist für mich der wichtigere Teil der ganzen Aktion, schaue ich nach, ob man etwas bemerken kann, dass ich da eine Nacht lang gelagert habe.

 

Gut, niedergetretenes Gras oder etwas zusammengeschobener Kies für ein ebenes Nachtlager wird sich nicht vermeiden lassen. Spätestens nach dem nächsten Morgentau/Regen hat sich das Gras wieder aufgestellt und nach einem Sturm ist von dem Lager auf dem Kies auch nichts mehr zu sehne. Nein, ich vergewissere mich aber grundsätzlich, dass ich keinen Müll hinterlassen werde. Und dass man meine Feuerstelle nicht erkennen kann, falls ich ein kleines Kochfeuer am Abend zuvor angelegt gehabt habe.

 

Denn es gibt nichts Ärgerlicheres für die zuständige Gemeinde, als wenn sich Touristen über mit Ruß und Asche verschmutzte Strände von den riesigen Lagerfeuern beschweren, die unvernünftige Menschen neben ihrem restlichen, unverrottbaren Müll hinterlassen haben. Ehrlich gesagt, ich möchte wirklich nicht mit zu den zu Recht verrufenen Verursachern gehören, wenn ich wieder einmal in eine der romantischen Buchten zurückkomme und dann ein Schild vorfinde, dass Feuermachen und eventuell sogar Biwakieren verboten ist und es bei Zuwiderhandlung hart bestraft wird. Die Einschränkung des Jedermannsrechts in Skandinavien ist ja eine Folge derzeitiger Outdoor-Enthuisiasten aus dem angrenzenden Süden, die den modernen Trend von Survival und Bushcraft aus dem Fernsehen folgen und in der „Wildnis“, meist nur ein paar Meter neben dem Parkplatz, zunehmend aber auch weiter „landeinwärts“, alles abholzen, was zum Feuermachen geeignet ist. Diese Lagerstellen sehen auch dementsprechend aus: Da findet man nicht nur, wie in früheren Zeiten, eine große sauber angelegte Feuerstelle in der Mitte des ausgewiesenen Areals zum Übernachten, an der alle Outdoorfreaks zusammenkommen können, um sich zu unterhalten und die Gemeinschaft zu pflegen - nein der Platz ist mit unzähligen kleinen schwarzen Brandstellen übersät, so dass man kaum mehr einen freien Fleck für sein Zelt findet. Das alles frisst sich immer weiter in die „unberührte“ Natur hinein.

 

Bei der militärischen Grundausbildung lernt man, wie man eine Koch-Feuerstelle, ein Grubenfeuer, fachgerecht anlegt, damit man in der Nacht nicht gesehen wird und es am anderen Morgen wieder so verfüllt, dass man hinterher eine Anwesenheit von Personen nicht mehr feststellen kann. Das Unsichtbarmachen eines Spähtrupps ist das A und O dieses Lehrabschnitts. Warum kann das nicht auch von den Outdoor-Freaks, wie wir es sind, praktiziert werden? Hat man das alles schon wieder verlernt? Oder war man, aus welchem Grund auch immer, gar nicht beim „Bund“ und möchte das Versäumte jetzt unbedingt nachholen, was man dort für das Leben draußen alles hätte lernen können? Jeder Wehrpflichtige, der während der dreimonatigen Grundausbildung einigermaßen engagiert dabei gewesen ist, hat sich im Outdoorbereich ein größeres Wissen angeeignet, als jemand in einem überteuerten Survival-Wochenend-Crach-Kurs jemals lernen wird. Manchmal übersteigt das Wissen der ehemaligen Wehrpflichtigen sogar dem der sogenannten Bushcraft-Trainer. Ist es vielleicht das„ Nicht-mehr-müssen“ oder sogar das „Abgewiesenwerden“, weil in der Ära einer Berufsarmee, nicht mehr jedes x-beliebige „Weichei“ und Möchtegern-Rambo aufgenommen werden muss? Ist das das eigentliche Klientel des heute so erfolgreichen zivilen Survival- und Bushcraft-Booms, unbedingt dabei sein zu wollen? (Sicherheitssmiley: „lächeln“)

 

Komischerweise lernt man eine sinnvolle Feuerstelle zu bauen, auch schon in den Jugendgruppen, und es wird einem dort auch eingebläut, dass man das Lager oder einen Rastplatz so verlassen soll, wie man sie vorgefunden hat. Scheinbar ist das bei den Survival- und Bushcraft-Lehrgängen für Erwachsene heute nicht mehr obligatorisch. Über manche banalen Stilblüten, die die selbst ernannten Survival-Coachs so von sich geben, muss man direkt schmunzeln, wenn man die angebotenen Bushcraft-Videos ein wenig durchforstet oder deren Geschriebenes liest.

 

 

Bild 01: Warum muss es ein meterhohes Lagerfeuer sein? Warum lernen, lebende Bäume schnell für ein Lagerfeuer zu fällen, Holz zu spalten? - Bushcraft für Denkfaule! Für mich als „Soloreisender“ reicht eine kleine Feuerstelle aus einem Besteckständer zum Kochen, Wärmen (Im Winter ziehe ich allerdings einen dicken Schlafsack vor.) und für die Romantik, sprich Seele, vollständig aus. Hier der lange Behälter mit 9 Löchern. Das Brennmaterial besteht meist aus bis zu fingerdicken Ästchen oder Fruchtzapfen von Koniferen, die vom Wind abgebrochen in den Büschen hängen und dort vollkommen getrocknet sind. Ein spezielles Werkzeug wie das Survival-Messer, mit Rasierklingenschärfe zum Holzspalten (!), ist dafür bestimmt nicht nötig.

 

 

Bild 02: Auch zum Kochen ist diese Hobo-Konfiguration geeignet. Zu sehen der kurzer Besteckbehälter mit 6 Löchern. In dem Topf, aus einer alten Alu-Milchkanne gefertigt, können eineinviertel Liter Wasser zum Kochen gebracht werden. Der „Hobo“ steht auf abnehmbaren Füßen, 7 cm über dem Boden. Wie man sieht, ist hier eine Unterlage zur Schonung des Waldbodens nicht unbedingt erforderlich, wenn man die nötige Vorsicht walten lässt. Unerfahrene sollten aber auf eine feuerfeste Unterlage niemals verzichten!

 

 

Bild 03: Auf Tagestouren in der Holledau verwende ich ausschließlich meinen selbst gebauten Bundeswehr-Feldflaschenkocher, um mich jetzt während der Übergangszeit (Herbst, Frühjahr) mit einer Suppe oder einem Haferl Tee aufzuwärmen. Das Bild zeigt ihn als Hobo im Holzbetrieb. Die Unterlage ist eigentlich nicht nötig, da der Kocher unten geschlossen ist (Aschefänger) und der Rost für das Brennholz einen Abstand zum Boden aufweist. Alternativ kann er auch mit einem Dosenkocher beheizt werden. Den Dosenkocher aus einer Deodose habe ich exakt auf den Kocher abgestimmt, damit er optimal brennt. Nachteil: Ich muss dann zusätzlich Spiritus mitnehmen.

 

 

Bild 04: Mein Ultraleicht-Kochset, hier noch mit einer normalen Konservendose zu sehen. Der Kocher selbst, einschließlich Ständer und Topfhalter, wiegen 80 g. Die Konservendose, dreiviertel Liter Inhalt, als Topf mit Deckel nochmals 75 g. Verwendet man hingegen einen Halben-Liter-Alu-Behälter, einschließlich Deckel reduziert sich das Topfgewicht auf ganze 20 g. Insgesamt muss ich dann ein Kochset mit insgesamt 100 g tragen. Weil ich keinen Brennstoff mitschleppen muss und mein Heizmittel, zumindest in Europa, für beliebig langes Kochen unbegrenzt vorhanden ist, halte ich mein Ensemble für wirklich ultraleicht! Bei „ultraleicht“ kommt es auf die Gesamtkonfiguration an, nicht nur auf den Kocher allein. Verbesserungen werden von mir laufend realisiert. Zum Beispiel: keine Schüröffnung (unnötig, weil Nachfüllung von oben), dafür mehr Lüftungslöcher (Vorteil: Glut kann nicht herausfallen).

 

Nähre Einzelheiten über meine gesamte Koch-Ausrüstung findet man bei den Beschreibungen (siehe dazu das Inhaltsverzeichnis Basis-Kochen BK). Wenn man selber ein wenig nachdenkt, kann man auch für wenig Geld „ultraleicht“ unterwegs sein.

 Zusatz:

 

Das, was nicht bei den „Outdoorseiten“ steht - Obwohl ich nicht glaube, dass sich Mitglieder und Leser der Outdoorseiten hier direkt angesprochen fühlen, habe ich meine Spitze auf die Abart des militärischen Survival sicherheitshalber dort weggelassen. Ich möchte sie aber hier niemanden vorenthalten, weil auch bei uns der Ruf nach Radikalität immer mehr zunimmt:

 

(Ironie an) Wenn man die Diskussionen über „Tactical-Knives“ in den einschlägigen Foren verfolgt, kommt einem der Gedanke, dass viele dabei sein wollen, beim Kriegsspiel - aber nur von der Couch aus! Den selben Trend erkenne ich leider auch im Outdoorbereich: Da sieht man heute Leute mit Messern rumrennen, die mehr dem Rambo-Sword und dem Big-Bowie eines „Crocodile Dundee“ gleichen und sich Macheten umhängen, mit denen heute noch in Afrika Menschen von manipulierten, äußerst primitiven Analphabeten wegen ihrer Religion abgeschlachtet werden, um in das himmlische Paradies mit den vielen Jungfrauen zu kommen. Nun, wer das unbedingt haben und sich damit identifizieren muss, bitte - ich benötige solche martialistischen Gegenstände nicht und ich will auch nicht zu dieser Metzger-Gruppe, pardon: paramilitärische Bürgerwehr dazugehören! Mich zu verteidigen, reicht mein gesunder Menschenverstand (Kenntnisse einer wirksamen Prävention), mein Bado-Training (Steigerung des Selbstvertrauens) und gegebenenfalls mein Wanderstock (Wenn es einmal wirklich notwendig werden sollte - was aber auf meinen Reisen noch nie der Fall gewesen war.)! Dass das Waffenrecht in der Öffentlichkeit aber immer weiter eingeschränkt wird, daran denken von diesen Waffennarren scheinbar die allerwenigsten. (Ironie aus)

 

 

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