BG-04 - Ausrüstung - ein paar ketzerische Anmerkungen

 

verfasst 2011 - geändert am 30.11.2011

 

Zur Ausrüstung möchte ich ein paar ketzerische Anmerkungen gleich zu Beginn dieses Kapitels anbringen. Ich hoffe nicht, dass jetzt alle Ausrüstungsspezialisten über mich herfallen, mich an den Pranger zerren und dort annageln.

 

Für draußen zum Wandern benutze ich eine alte Bundeswehr-Kampfhose aus Loden, die wir „Filzlaus“ genannt haben. Die ist noch einfarbig oliv und fällt nicht so auf, wie das Einzelkämpfer-Outfit im Camouflage-Design, in dem so mancher öffentlich auftritt. Und vor allem ist sie original Barras! Beim Kauf nahezu neuwertig, allerdings am Fußende geschlitzt. Damit haben die Kleiderkammern die Hosen „unbrauchbar“ gemacht, zumindest früher. Der Schlitz wurde von mir sorgfälig mit Schurwolle vernäht und dann mit warmen Seifenwasser verfilzt. Ist kaum zu sehen und man meint, es gehört so, weil ich beide Hosenbeinein gleicher Weise bearbeitet habe. In die linke Schenkeltasche, ich bin Linkshänder, habe ich innen eine Messerscheide eingenäht, in die genau mein alter bayerische Nicker passt. So ist das Messer abgedeckt und trotzdem schnell erreichbar. Ich frage mich, warum manche ihren Ehrendolch unbedingt offen tragen wollen?

 

Zum Tarp ist zu sagen, dass es für einen Mann am Mittelmeer völlig ausreicht. In Griechenland lasse ich es sowieso meist in der Ladeluke, weil das Wetter beständiger und trockener ist. Ein Grund warum es mich zum Paddeln in den Süden zieht. Wenn man wie ich meist noch vor dem Morgentau aufbricht, bleiben sogar Schlafsack und Liegematte trocken. Für eine solopaddelnde Frau halte ich allerdings ein einfaches geschlossenes Zelt für zweckmäßiger und sicherer. Für die Befestigung der Gibelleinen habe ich mir die Heringe selbst gebaut, aus 6 mm Moniereisen, 47 cm lang, passen zum Transportieren genau in ein Zeltstangenteil. Dafür habe ich jetzt bei Sturm meine Ruhe und die Plane hält! Das ist natürlich nichts für einen Leichtgewichtsfetischisten, der noch seine Zahnbürste abschneidet, um Gewicht zu sparen. Dafür halten mein Heringe auch noch im Sand sehr gut. - Bin bei meinen Bekannten zum Hausieren gegangen und habe mir ihre alten Zeltstangen abgeholt. Sie sind froh gewesen, dass sie dieses Gerümpel los sind und ich bin froh, dass ich diese alten Dinger überhaupt noch bekommen habe, jetzt in der Ära von Geodät-Zelten. Aber Vorsicht! Der Trend der Ultralight-Fraktion tendiert wieder zum Einfachzelt ohne Boden, wie zu Barras-Zeiten, natürlich mit neuen Materialien und neuem Namen. Man nennt diese uralte Hundehütte jetzt neuhochdeutsch: „Tarp-Tent“. Als Zeltstangen werden die teilbaren High-Tech-Wanderstöcke mitverwendet die natürlich „Trekking-Poles“ heißen müssen.

 

Man muss sich aber wirklich nicht immer den allerletzten Schrei anschaffen. Dafür sind ja eigentlich die Outdoor-Foren gedacht, um über neu und alt zu diskutieren, damit der User eine wirklich sinnvolle Ausrüstung zusammenstellen kann.

 

Eine sehr junge Architektin in meinem Bekanntenkreis hat beim Umbau einer alten Hopfendarre in ihr eigenes Wohnhaus auf die Frage, warum sie denn nicht die Außenwand isoliere, geantwortet: „Ich papp' mir doch kein Plastik an eine alte wunderschöne Vollziegelwand! Da lass' ich lieber einen Efeu hochwachsen.“

 

Es ist schon komisch, der Efeu an der Wetterseite von meinem Haus und an der Garage ist mittlerweile über 35 Jahre alt, die Wände sind völlig trocken, innen schimmelt nichts und Schäden am Mauerwerk sind an keiner Stelle aufgetreten. Alle schlimmen Prophezeiungen der „Fachleute“ haben sich also nicht bewahrheitet!

 

Fazit: sich umfassend informieren, sich dann auf seinen gesunden Menschenverstand verlassen und ausprobieren und ... nicht einem „Spezialisten“ ungeprüft alles nachplappern.

 

 

 

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