KN-05 - Topographischen Karten - Maßstäbe im Vergleich

 

 verfasst 2012 - geändert am 22.01.2012

 

Als ich 2004 zur Olympiade nach Athen gepaddelt war, hatte ich von der Donaumündung bei Sulina über Istanbul bis nach Gallipoli keine guten Karten mit entsprechend großem Maßstab zur Verfügung. Für diese Strecke von rund 850 km benutzte ich deshalb eine Übersichtskarte im Maßstab 1:4.000.000 aus meinem alten sich bereits auflösenden Schulatlas. Weil es sich in diesem Bereich um reine Küstenpaddelei, ohne nennenswerten Tiden, gehandelt hatte und die Küste einfach strukturiert war, meist stieß ich auf Sand- und Kiesstrände, hatte ich mit diesem kleinen Kartenmaßstab keinerlei Probleme, mich zurecht zu finden.

 

So zeichnete ich in diese Übersichtskarte meine Lagerplatz-Markierungen rund jeden Zentimeter (Das Etmal betrug um die 40 km.) an der Küste entlang ein. Bei „Strandküsten“ reichte mir dieser Kartenmaßstab völlig aus. In der Karte sind ausreichend Orientierungspunkte eingezeichnet, das sind größere Buchten für Überfahrten und Kaps, die ich umrunden musste - mehr benötigte ich auf diesem Strecken-Abschnitt eigentlich nicht.

 

Alle anderen Informationen, die Karten mit einem größeren Maßstab enthalten, habe ich mit meinem Wissen und meinen Erfahrungen im Seekajaking ausgeglichen. Dieser Umstand bezog sich hauptsächlich auf den Bosporus und das Seegebiet um Istanbul, eines der meist frequentierten Schifffahrtspassagen im Mittelmeer.

 

Mit dieser Einleitung wollte ich nur aufzeigen, dass man auch mit einem relativ kleinen Kartenmaßstab lange Seekajak-Reisen durchführen kann. Voraussetzung dafür ist aber, dass das Gelände eine einfache Topographie aufweist.

 

Im Folgenden möchte ich an Hand einiger simpler Beispiele einzelne Kartenmaßstäbe vergleichen und ihren Verwendungszweck, speziell für das Seekajaking, erläutern.

 

Oben habe ich erwähnt, dass ich meine Lagerplätze in der Karte mit einem Punkt markiere. Um ihn zu erkennen und wiederzufinden muss er schon eine bestimmte Größe aufweisen. Bei mir waren es Punkte mit ungefähr einem Millimeter Durchmesser. Das ist in der Regel ein Tupfer mit einem Filzschreiber.

 

Bei den Maßstäben rechne ich nicht in Zentimeter, sondern grundsätzlich in Millimeter. Da finde ich mich mit den Tausender-Schritten schneller zurecht. Beispiel: ein Kartenmaßstsab von 1:1.000.000 heißt bei mir 1 mm entspricht 1.000.000 mm. Rechen ich in Meter, das ist dann die Zahl links vom ersten Tausender-Punkt (1 mm in der Karte entspricht 1.000.000 mm = 1.000 m in der Natur) oder in Kilometer (1 mm entspricht 1.000.000 mm = 1.000 Meter = 1 km), das ist die Zahl links vom zweiten Tausender-Punkt. Rechne ich mit dem üblichen deutschen Zentimeter-Maßstab bin ich immer mit den Nullen durcheinander gekommen, insbesondere wenn ich bei Überlappungen mit mehreren Karten und unterschiedlichen Maßstäben gleichzeitig arbeiten muss. Ich gehe auf diese simplen Dinge deshalb so genau ein, weil es sich gezeigt hat, dass sich bei diesen Banalitäten immer wieder gravierende Leichtsinnsfehler eingeschlichen haben.

 

Ein paar grundlegende Betrachtungen über unterschiedliche Karten-Maßstäbe oder wie wirkt sich die Lagermarkierung von einem Punkt mit einem Durchmesser von 1 Millimeter in der Karte auf die Genauigkeit beim Navigieren mit verschiedenen Kartenmaßstäben aus.

 

Einschränkung: Meine Vergleiche beginnen erst bei einem Maßstab von 1:200.000. Dieser Maßstab reicht für Langfahrten im Seekajaking für meine Zwecke völlig aus. Größere Maßstäbe (1:100.000, 1:50.000, 1:25.000 und größer) sind für das Trekking, Wandern und Bergsteigen bessere geeignet. Die Interessenten für diese Outdoorbereiche können ja selbst die entsprechenden Überlegungen über die erforderliche Genauigkeit anstellen.

 

Bezug: Für die Gegenüberstellungen beziehe ich mich auf die Südspitze von Istrien im Norden von Kroatien, weil sie einen sehr markanten Punkt darstellt, den man fast auf allen Karten relativ schnell findet.

 

 

Bild 1: Mein Lagerplatz in einer kleinen Bucht am Kap Kamenjak an der Südspitze von Istrien. Spätestens am Nachmittag haben sich die Badegäste verlaufen und am frühen Abend war ich völlig allein. Diese Bucht wurde von mir in den einzelnen Karten mit einem schwarzen Punkt (praktisch ein Tupfer eines Filzschreibers) mit einem Durchmesser von 1 mm markiert, um Vergleiche anstellen zu können. Meine einfache GPS-Standortbestimmung ergab folgende Daten: Nord - 44 Grad - 46 min - 19,9 sec und Ost - 13 Grad - 54 min - 27,6 sec. Eine Bogen-Sekunde entspricht in der Natur gerundet 31 m (gerechnet 30,87 m). Die Genauigkeit bei meinem Uralt-GPS etrex liegt, entsprechend der Anzeige, zwischen 3 m und 120 m (je nach Satelliten-Auswertung), grob gerechnet zwischen 0,1 sec und 4 sec. Das sagt aus, dass man die Kommastelle bei den Sekunden getrost auf ganze Sekunden runden kann. Berücksichtigt man neben der Toleranz des GPS-Geräts noch die Kartengenauigkeit von 1 mm (mein Markierungspunkt des Lagers), dann komme ich mit Karten in den Maßstäben ab 1:50.000 (1 mm in der Karte entspricht ja 50 m in der Natur) und kleiner am besten zurecht, ab 1:200.000 allemal, weil die Genauigkeit des GPS-Geräts (120 m) die der Kartentoleranz (200 m) grundsätzlich übertrifft.

 

Maßstab 1:200.000 oder 1:250.000 - Basiskarten

 

Als Basiskarte verwende ich für die Adria eine topographische Karte 1:200.000 und für das Ionische Meer und die Ägäis die griechische Standard-Karte 1:250.000, entsprechend meiner geplanten Seekajaktour. Übertragen wir unseren Lagerpunkt mit 1 mm Durchmesser aus der Karte in die Natur, dann befindet sich das Lager im Gelände theoretisch auf einer Kreisfläche von 200 m / 250 m im Durchmesser. Theoretisch deshalb, weil beim Küstenpaddeln das Lager in den meisten Fällen direkt am Ufer aufgebaut wird, das heißt, direkt an der Küstenlinie (siehe Bild 1). Dadurch konzentriert sich die mögliche Lagerfläche auf einen Streifen von 200 m / 250 m Länge. Das Auffinden des Lagers ist dabei denkbar einfach, wenn man am Strand entlangläuft.

 

 

Bild 2: Größere und genauere Karten benutze ich zum Navigieren beim Seekajaking nicht. Das stellt aber kein Dogma dar, sondern den von mir bevorzugte Kartentyp. Andere Paddler verwenden lieber größere Kartenmaßstäbe. Das ist dann sicherlich sinnvoll, wenn man in einem bestimmten Revier bleibt (z.B.: Lagune von Venedig, Dalmatinische Inseln, Isthmus von Korinth, Marmarameer ...) Bei Langstrecken-Seekajakfahrten würde sich aber die Anzahl der Karten summieren und sehr viel Stauraum im Kajak belegen, der dann für nützlichere Dinge fehlt. Vergrößert man den Kartenmaßstab um das Doppelte (z.B.: von 1:200.000 auf 1:100.000) vervierfacht sich die Kartenzahl. Erhöht man nochmals um das Doppelte (z.B.: von 1:100.000 auf 1:50.000) schleppt man bereits 16 Karten mit sich herum, gegenüber der unrsprünglichen einen Karte von 1:200.000 (Faktor 4). 

 

Maßstab 1:750.000 - Seekarte als Navigationsgrundlage

 

Der Millimeter-Punkt in der Seekarte bedeckt hier eine Kreisfläche von 750 m im Durchmesser in der Natur, an der Küste dann eine Strecke von 750 m Länge. Da ist noch alles überschaubar.

 

 

Bild 3: Diese Seekarten in Mercator-Projektion verwende ich ausschließlich zum Navigieren bei Langstrecken. Drei dieser Seekarten decken die Adria, das Ionische Meer und die gesamte Ägäis ab. Ich erstand den Kartensatz 2001, als ich mich nach meiner Pensionierung endgültig für das Seekajaking im östlichen Mittelmeer entschieden hatte. Zu berücksichtigen ist allerdings dabei, dass diese Karten zwar winkelgetreu aber nicht flächengetreu sind. Gleiche Flächeninhalte haben an verschiedenen Stellen der Abbildung unterschiedliche Maßstäbe. Um genaue Abstände zu messen, muss man grundsätzlich an dem linken oder rechten Kartenrand die Distanz in Minuten bestimmen und, wenn erforderlich, in Kilometer umrechnen. Die Verzerrungen in einem einzelnen Kartenblatt betragen vom unteren zum oberen Kartenrand rund 7 Prozent auf einer Länge von ca. 300 Seemeilen. Das ist nicht allzu viel und deshalb vernachlässigbar. Die Verzerrungen wirken sich aber spürbar vom oberen zum linken Kartenrand aus. Dort betragen die Unterschiede von der geographischen Länge zur geographischen Breite auf der Höhe von Venedig rund 27 Prozent. Merke deshalb: Die Länge eines Kurses, gleichgültig in welche Richtung die Linie gemessen wird, ist immer am linken oder rechten Kartenrand mit Lineal oder Zirkel „abzugreifen“ (Nie am oberen oder unteren Kartenrand!), am besten in der selben Höhe, dann die Distanz in Bogen-Minuten ablesen und eventuell in Meter/Kilometer umrechnen. Dabei gilt die allgemein bekannte alte Seemannsregel: 1 Bogen-Minute entspricht 1 Seemeile und die ist 1,852 km lang.

 

Maßstab 1:1.000.000 - mein erster Kartensatz für die Navigation

 

Es lässt sich so schön einfach mit diesem Maßstab rechnen: 1 mm in der Karte entspricht 1 km in der Natur. Der Durchmesser meines Lagerpunktes auf der Karte allerdings erreicht dabei schon eine Größenordnungen, bei der ein leichtes Auffinden im unübersichtlichen Gelände (z.B.: Wald, Gebirge usw.) schon schwieriger wird. Beim Lagern am Küstensaum ist es bei einer Länge von 1 km aber noch praktikabel.

 

 

Bild 4: Es ist mein erster Kartensatz für das Mittelmeer, den ich mir Ende der 1960er Jahre gekauft habe, sauer erspart von meinem Lehrlingslohn. Es sind Fliegerkarten und keine Seekarten (Die waren für mich zu dem Zeitpunkt unerschwinglich.) Mit diesen Karten brachte ich mir selbst die terrestrische Navigation bei, meist aus Seehandbüchern und durch eigene Überlegungen.

 

Maßstab 1:2.000.000 – Grenze für das Navigieren auf Seekajaktouren

 

Noch kann man das Lager finden, zumindest wenn es an der Küste errichtet worden ist. Bei einem Kreisdurchmesser von 2 km dauert es aber an Land schon eine längere Zeit (z.B.: bei einem Notfall in unübersichtlichen Gelände), bis man den Lagerplatz entdeckt hat.

 

 

Bild 5: Das zuverlässige Navigieren für Überfahrten von Insel zu Insel stößt langsam an seine Grenzen. Ab dieser Kartengröße ist es ratsam, nur mehr auf Sicht zu fahren, das heißt, man sollte sein Ziel bereits sehen können, um mit dem Bootskompass direkt den Kurs zu bestimmen. Die Toleranz-Fehler nehmen bei der Kursfestlegung allein nur mit der Karte stark zu, weil auch die wichtigen Kartenangaben wie Missweisung und der Verlauf der Küstenlinie immer ungenauer werden. Reichen sie für das Seekajaking auf Langfahrten gerade noch aus, für Wanderungen sind sie bereits ungeeignet. Eine Alpenüberquerung mit diesem Kartenmaßstab ist als völlig sinnlos anzusehen, es sei denn, man benutzt eine eingezeichnete Passstraße. Aber welcher Outdoorfreak will schon auf einer Straße latschen, wenn er nicht gerade das Trampen im Sinn hat.

 

Maßstab 1:4.000.000 - Übersichtskarte als Notbehelf

 

Mit diesem Maßstab ist die absolute Grenze einer sinnvollen Navigation erreicht. Die Markierung des Lagerplatzes nimmt jetzt schon einen Kreisdurchmesser von 4 km ein.

 

 

Bild 6: Wie bereits eingangs beschrieben, sollte man Karten in dieser Größenordnung nur bei „glatten“, überschaubaren Stränden verwenden. Bei einem reich gegliederten Küstenverlauf mit zahlreichen Buchten, Lagunen, Steilklippen felsigen Strecken und in Insel-Archipelen ist dieser Kartentyp weniger geeignet. Da muss man sich schon sehr auf seine Erfahrungen verlassen können, wenn man ausschließlich diese Karte für das Seekajaking benutzen will. Wenn man sich vor Ort auskennt und schon des öfteren die Strecke gefahren ist, könnte diese Karte noch ausreichen, benötigt man in diesem Fall nur mehr eine grobe Orientierung. Ein weiterer Gesichtspunk für die Verwendung dieser Kartengröße ist das Survival. Ab hier beginnt eine Kartengröße, die zwar nicht mehr zum Wandern geeignet ist, aber bei kleineren Unternehmungen in einem begrenzten Gebiet zur Überlebensausrüstung gezählt werden kann. Geht man davon aus, dass man im Survival-Fall ohne übergroßen Hilfsmittel seinen Standort auf rund 5 km genau bestimmen kann, hat man mit dieser Kartengröße die richtige Entscheidung getroffen.

 

Maßstab 1:15.000.000 - als Beispiel für weitere Übersichtskarten

 

Das Lager liegt jetzt in einem Rondell von 15 km Durchmesser bei einem Markierungspunkt von 1 mm in der Karte. Das ist schon eine halbe Tagesreise. Hieran kann man sehen, dass solche Karten zum Navigieren nicht mehr geeignet sind. Bei einem täglichen Eintrag würden sich die Lagerplatz-Punkte wie eine Perlenkette aneinanderreihen.

 

 

Bild 7: Ab einem Kartenmaßstab von 1:5.000.000 beginnen für mich die Übersichtskarten, die mehr für die ersten Planungen einer Langfahrt geeignet sind, als zum direkten Navigieren. Als einziges Beispiel für Übersichtskarten habe ich den Kartenmaßstab 1:15.000.000 ausgewählt, nur zum Vergleich, damit man erkennen kann, wann die Grenzen erreicht sind. Selbst im Survival-Kit ist solch eine Karte nur mehr bedingt einsetzbar. Um diese Übersichtskarte effektiv nutzen zu können, muss man bereits über ein sehr breites Wissen und große Erfahrung verfügen, denn sie kann nur zu einer groben Orientierung herangezogen werden.

 

Maßstab 1:90.000.000 - Weltkarten

 

Wer die ganze Welt auf einer Karte haben will würde zum Beispiel auf diese Kartengröße zurückgreifen. Hier entspricht 1 mm in der Karte 90 km in der Natur. Das Lager irgendwo in einem Radius von 90 km - ich glaube, in diesem Fall kann man die praktische Anwendung bei einer täglichen Nutzung vergessen.

 

 

Bild 8: Und dennoch machen solche Kartengrößen einen gewissen Sinn, zumindest im Survival-Bereich. Hat man diese Karte im Survivalgepäck, kann man sich immer noch vage orientieren. Bei einem Flugzeugabsturz über Sibirien, Afrika oder Südamerika, bei einem Schiffsunglück irgendwo auf einer Insel gestrandet, bei einer Expedition im Dschungel oder Wüste verschollen, kann jede noch so einfache Karte helfen und als Gedächtnisstütze dienen. Ich glaube nicht, dass ein Mensch in der Lage ist, eine Weltkarte in dieser Qualität aus dem Kopf zu zeichnen. Voraussetzung für das Überleben ist allerdings, dass man für solche Situationen vorbereitet ist, weniger technisch, mehr mental, damit man durchhalten kann und mit einem breiten Wissen und großer Erfahrung ausgestattet, um auch ohne jegliche Ausrüstung überleben zu können. Selbst die einfachste Standortbestimmung hilft in einer Survival-Situation, damit man weiß, in welche Richtung man sich überhaupt bewegen muss. Da wäre ich schon froh, wenn ich meinen Standort (z.B.: in Sibirien) auf 45 km im Umkreis, das sind die oben erwähnten 90 km Durchmesser, genau bestimmen könnte. - Zugegeben, das alles gehört schon in den Bereich der Phantasie, vielleicht zu einem guten Abenteuerroman (z.B.: „Soweit die Füße tragen“, da wurde eine handgezeichnete Karte von Sibirien erwähnt) oder in das militärische Szenario. Wir normalen Outdoor-Freaks werden wohl kaum in solch eine Situation kommen. Trotzdem macht es mir immer wieder Spaß, mich in solch eine Lage hineinzuversetzen und zu überlegen, was ich alles machen und wie ich die Probleme lösen könnte. Da brauche ich letztendlich keinen selbsternannten Survival-Guru mehr, von dem ich noch etwas lernen könnte!

 

Mir diesem kleinen Ausflug in die Kartenwelt will ich aufzeigen, mit welchem nautischen Material man beim Seekajaking im Mittelmeer zurecht kommen kann.

 

Noch einen Hinweis möchte ich anfügen: Je größer der Kartenmaßstab ist, um so detaillierter sind auch die topographischen Angaben in der Karte. Da ist es meines Erachtens schon wichtig, sein Kartenmaterial auf den neuesten Stand zu halten. Wenn in einer Karte mit Maßstab 1:25.000 oder noch größer, bereits alle Gebäude zu erkennen sind, dann ändert sich die Topographie durch Haus- und Straßenneubauten permanent. Eine heuer gekaufte Karte ist in der Regel im nächsten Jahr bereits veraltet. Das gilt für die im GPS vorhandenen Karten ebenso! Ein GPS-Gerät ist nur so gut, wie die gespeicherte topographische Karte aktuell ist. Ab dem Maßstab 1:500.000 sind die topographischen Informationen nicht mehr allzu groß. Da bleibt eine Karte länger aktuell. Mit meinen drei Seekarten 1:750.000 arbeite ich jetzt schon seit 11 Jahren und mit ein wenig Vorsicht und kritischer Begutachtung (z.B.: bei Leuchtfeuern, Hafenanlagen, Küstenbebauungen, markante Orientierungspunkte wie Sendemasten ...) kann ich sie auch in Zukunft noch weiterverwenden. Meine Übersichtskarte 1:4.000.000, die ich 2004 im Schwarzen Meer benutzt habe, stammt aus meinem Schulatlas und ist rund 50 Jahre alt. Es haben sich zwar die politischen Grenzen verändert, die Topographie ist aber weitgehendst gleich geblieben. Bei diesem Maßstab wurde zum Beispiel Venedig vor 50 Jahren mit einem Kreis dargestellt und diese wunderschöne Stadt wird heute in eine moderne Karte gleicher Größe noch genauso mit einem simplen Kreis eingetragen.

 

Eine Bemerkung zum Urheberrecht:

 

Ich hoffe nicht, dass ich durch die Veröffentlichung von Auszügen aus diesem uralten Karten-Material, das teilweise bei Atlanten nur mehr in „Loseblattform“ vorliegt und der Urheber nicht mehr ermittelt werden kann (siehe die Hinweise zum Alter der Karten im Text), urheberrechtliche Schwierigkeiten bekommen werde. Letztendlich rühre ich für die Karten in Papierform unentgeltlich die Werbetrommel.

 

Wenn man bedenkt, dass die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) ihre „Elektronischen Binnennavigationskarten“ künftig kostenfrei abgibt und über das Internet eine Fülle von gebührenfreien Zugängen zu allen möglichen Karten vorhanden sind, können die Kartenverlage meines Erachtens nur froh sein, wenn man für sie und ihre Produkte wirbt.

 

Sollten Urheber da anderer Meinung sein, bitte ich um eine E-Mail. Dann werde ich die entsprechenden Bilddateien mit dem Hinweis auf die Urheberschaft aus dem Beitrag herausnehmen. Siehe dazu auch meinen Beitrag im Kapites "Wissenswertes" - Abschnitt "Urheberrecht" - Absatz: "Eine Bemerkung zum Urheberrecht bei Landkarten im Papierformat".

Ein Kommentator bei den Ourdoorseiten wies mich auf die kostenlosen, frei verfügbaren Karten im Internet hin und empfahl mir, statt den Printkarten mit ihrem Urheberrecht nur die freien Karten aus dem Internet zu verwenden.

 

Ihm antwortete ich mit nachstehendem Text:

 

Danke für die Hinweise auf die frei verfügbaren Karten im Internet, die keiner Urheberschaft unterliegen. Aber ich habe den Text jetzt bereits umgeschrieben, so dass man auch ohne bildliches Anschauungsmaterial auskommt. Ich bin überzeugt, dass die meisten an Navigation interessierten Forumsmitglieder auch das nötige Kartenmaterial, einschließlich der Schulatlanten zu Hause zur Verfügung haben. Damit kann man sehr gut die von mir beschriebenen Größenvergleiche der einzelnen Maßstäbe nachvollziehen.

 

Der Trend bei den elektronischen Karten geht ja sowieso in die Richtung, dass man keinen festen Karten-Maßstab mehr angibt, sondern durch Vergrößern und Verkleinern des Bildes sich der Nutzer den angenehmsten, für seine Zwecke angepassten Maßstab heraussucht. Das Programm erledigt dann automatisch die Größenanpassung, wenn man mit der Karte arbeitet. Da ist eine elektronische Karte einer „Papierkarte“ bei weitem überlegen.

 

Dreidimensionale Verarbeitung bei Streckenlängen-Ermittlungen unter Einbeziehung auch des Höhenprofils, automatisches Verfolgen eines eingezeichneten Wegs oder Straße, winkelgenaue Ermittlung des Kompasskurses, einschließlich der Einarbeitung der Missweisung und der Gittelinien-Abweichung, (wenn man überhaupt noch einen Kompass verwendet und nicht gleich ein GPS-Gerät bevorzugt) gehören ja heute schon zu den Standard-Funktionen der Karten-Software.

 

(Ironie an) Mir würde ein GPS-Gerät vorschweben, ähnlich eines Tablet-PCs, unkaputtbar, absolut zuverlässig, seewasserfest, schwimmfähig, mit aufladbarem Akku über Solarmodul, das man wie eine laminierte Seekarte einfach auf die Spritzdecke schnallt und das auch programmtechnisch alles kann, einschließlich das automatische Abfragen der Wetter- und Strömungs-Daten über Geschwindigkeit und Richtung, um die Abdrift des Bootes (Kajak) und dessen Ausgleich zu berechnen und den richtigen Kurs anzeigt, damit man nicht an einer Insel vorbeigetrieben wird (siehe meinen Beitrag KT-08 - "Kommentar zu Überfahrten und zum Inselspringen"), so dass man sich um nichts mehr kümmern  muss – außer, dass es nicht gestohlen wird. (Ironie aus)

 

Heute schmunzeln wir darüber. Ich glaube aber, dass ich das Gerät, das ich oben kolportiert habe oder zumindest ein ähnliches, noch bei seiner Markteinführung erleben werde. Bis dahin aber bleibt uns nichts anderes übrig, als uns mit terrestrischer Navigation und dem dazugehörenden Kartensatz abzumühen, sozusagen mit einem „Navi classic“.

 

 

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