BR-13 - Böhmischer Sterz


verfasst 2016 - geändert am 22.12.2016


Nach über einem viertel Jahr Abstinenz melde ich mich wieder hier auf meiner Homepage. Die lange Unterbrechung kommt daher, dass ich anderweitig sehr beschäftigt gewesen bin und ich einfach keine Zeit mehr gehabt habe, neue Artikel zu verfassen.


Trotzdem habe ich mich auf dem Gebiet „Outdoor“ weiterentwickelt und möchte heute ein im letzten Halbjahr erprobtes Basis-Rezept aus meiner Survival-Küche vorstellen. Es handelt sich dabei um eine Mischung aus traditionellen europäischen Gerichten, die ich für meine Zwecke weiterentwickelt habe.


Folgende Grundgedanken für mein Survival-Rezept waren für mich ausschlaggebend:

- einfache Handhabung,

- bodenständige Lebensmittel,

- ausreichende Energiezufuhr,

- Versorgung des Körpers mit allen wichtigen Stoffen,

- einigermaßen wohlschmeckend,

- Zutaten lange lagerfähig,

- kostengünstig.


Dazu greife ich auf die beiden Rezepte der Waldarbeiter und Bauern in Europa zurück: dem schottischen oder skandinavischen „Porridge“ und dem steirischen „Sterz“.


Beide Rezepte basieren auf unseren heimischen Getreidesorten, dem Hafer (Porridge) in Form von kernige Haferflocken (Hafer ist entsprechend den Inhaltsstoffen für den Menschen das wertvollstes Getreide.) und dem Weizen (Sterz) auf der Basis von Hartweizen-Grieß.


Weil ich die beiden Getreidesorten mische und die Zutaten etwas anders verarbeite, nenne ich das Gericht „Böhmischer Sterz“. Den Namen habe ich deshalb gewählt, weil ich diese spezielle Kochvariante, allerdings jeweils in getrennter Form von meinen Eltern übernommen habe, die aus West-Böhmen stammen. Somit bleibt die Heimat meiner Eltern mit ihrer vielfältigen und praktischen Küche mir in Erinnerung.


Nun zum Rezept, deren Zubereitung denkbar einfach ist:


Ich mische beide Getreidesorten, Haferflocken und Weizengrieß im ungefähren Verhältnis 2:1, röste das Ganze in Pflanzenöl an, bis das Gemisch goldbraune Farbe angenommen hat, gieße eine Fond (Gemüse- oder Fleisch-Fond) hinzu, lasse das ganze aufkochen, quellen und anschließend anbraten. Je nachdem, wie lange man die Pfanne auf dem Feuer lässt, wird das Gericht zur Suppe, Mus, Brei, Fladen, Schmarren und letztendlich zu einem krümeligen Sterz.


Die Variationen für das Gericht sind vielfältig. Anstelle von Pflanzenöl kann man auch Schweineschmalz, gewürfelten Bauchspeck oder Geselchtes verwenden. Wenn man auf Grammeln (Grieben, evtl. Griebenschmalz) zurückgreifen kann, fügt man diese wie beim echten „Steirische Sterz“ hinzu. Wildkräuter (Giersch, Löwenzahn, Brennnessel, Liebstöckel anstelle des Brühwürfels) ferner Zwiebel, Lauch usw. eignen sich hervorragend zum Anreichern und zur Nahrungsergänzung.


Der „Böhmische Sterz“ wird als Hauptgericht oder als Beilage serviert. Ich persönlich esse ihn mittags als Hauptgericht und die obligatorische Halbe Bier dazu. Das mache ich nun im Selbstversuch schon seit über einem halben Jahr, ohne dass ich Mangelerscheinungen oder einen Leistungsverlust feststellen kann (siehe unten). Zugegeben, der „Böhmische Sterz“ kann nicht als Gourmet-Speise bezeichnet werden, aber als Survival-Gericht finde ich ihn unschlagbar.


Basis-Rezept - Böhmischer Sterz mit 280 g Mischgetreide:


Zutaten für zwei Portionen oder für einen sehr hungrigen Wanderer, Arbeiter oder „Waldschrat“:


- 200 g kernige Haferflocken, 740 kcal

- 80 g Hartweizengrieß, 272 kcal

- 100 ml Pflanzenöl (Rapsöl), 828 kcal

- 500 ml Wasser

- 2 Brühwürfel à 10 g, 60 kcal (Variante 1)

- anstelle der Brühwürfel: 1 gehäufter Teelöffel Salz (Variante 2)

- oder kombiniert: 1 Brühwürfel und Salz zum Abschmecken (Variante 3)

- eventuell Gewürze, je nach Belieben


Energiemenge bei Variante 1: 1900 kcal bei einem Gewicht des rohen Kochguts von rund 900 g


Zubereitung


1 - Haferflocken, Grieß und Pflanzenöl in die Pfanne geben und unter ständigem Rühren anrösten (ca. 10 Minuten).


2 - Wasser und Brühwürfel (alternativ nur Salz) zugeben, aufkochen und quelle lassen.


3 - Unter ständigem Rühren weiterbraten bis eine krümelige Masse entstanden ist. Natürlich kann man den Koch- und Bratvorgang auch vorzeitig unterbrechen, je nachdem was man haben möchte: Suppe, Mus, Brei, Fladen, Schmarren oder Sterz (siehe Bildbeschreibungen). Persönlich lasse ich die Pfanne solange auf dem Feuer, bis der ganze Spiritus verbrannt ist.


Bei einer vollständigen auslaufsicheren Füllung meiner derzeitigen Kochdose (etwa 80 ml Spiritus) brennt der Spiritus rund 30 Minuten. Das reicht, einen krümeligen Sterz zu erhalten.

 


Bild 01: Die Kochutensilien von links nach rechts: 500 ml Wasser, 80 g Hartweizengrieß, 1 Fleisch-Brühwürfel, 200 g kernige Haferflocken, 100 ml Rapsöl, Salz zum Abschmecken (Variante 3), Holzunterlage, darauf: Zündhölzer. Dosenkocher gefüllt mit ca. 80 ml Brennspiritus, Kochlöffel, Löffel, unten die Pfanne.



Bild 02: Grieß, Haferflocken und das Öl sind in der Pfanne zum Mischen bereit.

 


Bild 03: Die Mischung wird angeröstet.



Bild 04: Nach ca. 10 Minuten ist der Röstvorgang beendet und das Röstgut hat eine goldbraune Farbe angenommen. Ganz nach Belieben kann die Mischung auch heller oder dunkler ausfallen.

 


Bild 05: Wasser und der Brühwürfel (hier in der Variante 3) werden hinzugefügt.



Bild 06: Stufe 1 - Nach dem Auflösen des Brühwürfels erhält man eine kräftige dicke Suppe. Um eine echte (dünne) Suppe zu bekommen, ist eine Zugabe von zusätzlichem Wasser nötig. Das Ganze noch einmal aufkochen lassen und eine wohlschmeckende Suppe ist fertig.



Bild 07: Stufe 2 - Ist die Mischung noch sehr dünn und kein Wasser mehr zu erkennen, kann man das Gericht als Mus bezeichnen. In diesem Fall verläuft die Mischung noch von selbst. In diesem Zustand fängt die Masse an zu blubbern.

 


Bild 08: Stufe 3 - Muss das Ganze mit dem Kochlöffel bereits in die Pfanne gestrichen werden, ist der Brei fertig. Ab diesem Zeitpunkt beginnt der Bratvorgang, der deutlich zu hören ist. Vorsicht ist dabei geboten, damit sich nichts am Pfannenboden anlegt. Kräftiges Rühren und Kratzen mit dem Kochlöffel verhindert das, bis sich genügend Öl herausgebraten hat.



Bild 09: Stufe 4 -  Ein Fladen entsteht, wenn man die fest gewordene Masse zusammenschiebt und anbraten lässt. Dabei ist darauf zu achten, dass der Fladen sich in der Pfanne bewegen lässt und nicht am Boden und am Rand anbrät. Mit dem Kochlöffel vom Rand wegdrücken, damit ein etwas kleinerer runder Fladen entsteht (siehe Bild). Wie bei einem Pfannkuchen benötigt man aber ein besonderes Geschick, den Fladen auf den Teller zu bekommen, denn er besitzt keinen Kleber wie bei einem Brot und zerfällt sehr leicht. Draußen im Gelände esse ich den Fladen gleich aus der Pfanne und auch zu Hause, wenn ich alleine bin. (Smiley: „Lächeln“).

 


Bild 10: Eine weitere Möglichkeit ist das Portionieren. Auch hier muss man die Stücke mit dem Kochlöffel vorsichtig auf den Teller heben.



Bild 11: Stufe 5 - Einen Schmarren bekommt man, wenn man den Fladen grob zerteilt ...

 


Bild 12: Stufe 6 - ... und bei weiterem Zerkrümeln erhält man den eigentlichen Sterz. Keiner Hinweis: Legt sich der Pfannenboden doch etwas an, bekommt man das Angebratene mit dem Kochlöffel relativ gut weg. Spätestens, wenn sich genügend Öl herausgebraten hat, lässt sich die Schicht zum Schluss des Koch-/Bratvorgans leicht lösen.



Bild 13: Der fertige Sterz in Großaufnahme. Der Sterz ist eigentlich als Beilage gedacht, und kann wie Reis, Nudeln oder Kartoffeln verwendet werden. Die alten „steirer“ Holzfäller ließen dazu durchwachsenen Speck aus und gaben die Grammeln samt dem Fett über den Sterz, um die nötige zusätzliche Energie für die schwere Waldarbeit im Winter zu erhalten. Der Sterz passt auch hervorragend zu einer deftigen Schwammerlsuppe oder Brühe.

 


Bild 14: Nach dem Abschmecken mit Salz und Gewürzen kann der „Böhmische Sterz“ serviert werden. Am besten passt dazu ein bayerisches Bier, was noch einmal mit 210 kcal zu Buche schlägt.


Weil man die Bratrückstände bereits mit dem Kochlöffel während des Kochvorgangs von der Pfanne abgeschabt hat, gestaltet sich die Reinigung der Pfanne denkbar einfach: Das restliche, sich in der Pfanne noch befindliche Öl wird einfach mit einem Küchentuch herausgewischt.


Anmerkungen


Um die Menge von 280 g Mischgetreide zu erhalten, rühre ich zwei Packungen kernige Haferflocken (2 x 500 g) und eine Packung Hartweizengrieß (400 g) zusammen und teile sie in 5 Portionen à 280 g auf (effektiv sind es 275 g, weil das angegebene Packungsgewicht meist unterschritten wird).


Die beiden Brühwürfel (insgesamt 10 g Salz) kann ich mir ersparen, wenn ich die Mischung etwas stärker anröste und ich nach dem Aufgießen des Wassers einen gehäuften Teelöffel Salz (ca. 12 g) hinzufüge.


Mit meinem instandgesetzten Dosenkocher mit nunmehr knapp 900 Kochvorgängen erhalte ich mit eine „auslaufsicheren“ Spritusfüllung (80 ml Spiritus brennen bei voller Leistung 25 Minuten und insgesamt bis zum Erlöschen 30 Minuten) bei einer Lufttemperatur um den Gefrierpunk einen richtigen „Böhmischen Sterz“.


Das Gericht weist rechnerisch eine Energie von 1.900 kcal auf. Damit ist der Tagesbedarf eines ruhenden Menschen mit dieser Hauptmahlzeit knapp gedeckt (Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen benötigt ein erwachsener Mann mit 80 kg Gewicht rund 2.000 kcal). Den Mehrbedarf an Energie und die nötigen zusätzlichen Stoffe (Vitamine, Mineralstoffe usw.), die der Körper unbedingt braucht, nehme ich mit weiterer Nahrung auf, die aber von der Menge her sehr begrenzt ist. Wenn man ein wenig in sich hineinhorcht, wird man feststellen, welche Lebensmittel dem Körper noch zugeführt werden müssen, weil sich dann der Appetit auf diese Stoffe meldet.


Die angefallenen Kosten (Stand: 12.2016), errechnen sich auf rund 72 Cent pro Mahlzeit, einschließlich dem nötigen Brennspiritus (32 Cent). Kocht man in der Natur auf einem Hobo mit Fundholz, dann reduzieren sich die Kosten des gesamten Gerichts auf 40 Cent.


Fazit:


Mit dieser Survival-Nahrung habe ich für mich das Problem der Ernährung bei einem Krisenfall, sei es nun in der Zivilisation oder in der Natur gelöst. Voraussetzung ist allerdings, dass man die nötigen Zutaten bevorratet, beziehungsweise auf einer Tour mitführt.


Hat man ein Transportmittel (Auto, Motorrad, Fahrrad, Kajak, Pilgerkarren oder Pulka) zur Verfügung, ist die Mitnahme der relativ voluminösen Lebensmittel überhaupt kein Problem. Beim Rucksackwandern schlägt allerdings das große Volumen zu Buche. Hier wäre es günstiger, sich mit konzentrierter Nahrung aus dem Outdoor-Laden einzudecken. Das führt dann aber zu erhöhten Kosten und zu mehr Chemie. Wer auf natürliche Nahrungsmittel zurückgreifen will, ist mit getrockneten Leguminosen, wie Linsen, Erbsen, Bohnen und Getreide, wie Reis, Mais und eben Weizen, bestens bedient. Auf die überaus wertvollen Lebensmittel der Hülsenfrüchte (Leguminosen) werde ich demnächst zurückkommen.


Nur so nebenbei:


Seit dem 05.08.2016 mache ich jeden 3. Tag Liegestütze, um zu testen, ob die Leistungsfähigkeit mit dieser Überlebensernährung abnimmt. Beim Stand 21.12.2016 mit genau 47 Liegestützdurchgängen absolvierte ich 5833 Liegestütze. Das macht im Schnitt 124 Liegestütze pro Durchgang, am Stück wohlgemerkt. Die Bandbreite reicht von minimal 50 Liegestütze bis maximal 222 Liegestütze pro Durchgang. Bis jetzt ist mit dieser Ernährung kein Leistungsabfall zu erkennen! Im Gegenteil, es tritt eine permanente Leistungssteigerung auf. So absolvierte ich in den letzten 17 Durchgängen (seit dem 03.11.2016) über 120 Liegestütze am Stück und Durchgang. Bei den letzten 8 Durchgängen schaffte ich permanent über 150 Liegestütze am Stück und das bereits mit über 68 Lebensjahren. Das ist allerdings nicht ausschließlich auf die Ernährung zurückzuführen, sondern auch auf das beständige Training in unserer Selbstverteidigungsgruppe, insbesondere aber auf das langjährige Paddeln (Smiley: „Zwinkern“).

 

 

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