BR-08 - Maiskolben - Outdoor-Nahrungsmittel im Spätsommer

 

verfasst 2014 - geändert am 31.08.2014

 

Kurz vor der Hopfenernte, das ist gemeinhin die zweite Augusthälfte, stehen der Silage- und der Körnermais, in seiner Milchreife. Das heißt, auch die als Futter- und Industriepflanzen angebauten Maissorten können von uns Outdoorlern verzehrt werden und schmecken in diesem mittleren Wachstum hervorragend.

 

 

Bild 01: Die typische Holledau im Spätsommer: Hopfen und Mais - neben den Kartoffeln die im Herbst noch zu erntenden Feldfrüchte und natürlich der Wald mit seinen Schwammerln/Pilzen und Beeren.

 

Ein wichtiger Hinweis:

 

Wenn man von einem Feld einige Maiskolben für den Eigenbedarf pflückt, ist das Diebstahl! Ein ehrenwerter Outdoorfreak fragt grundsätzlich erst den Besitzer, ob er etwas von seinem Feld nehmen darf - solange keine „Survival-Situation“ vorliegt. Diese dürfte in Mitteleuropa wohl kaum eintreten, zumindest nicht im Hinblick auf Nahrungsmangel. Klauen von Feldern und Gärten, auch wenn es nur ein paar Maiskolben, Kartoffel, Äpfel oder Birnen sind, gefährdet grundsätzlich das Image unseres freien Outdoorlebens. Keiner von uns dürfte daran interessiert sein, dass unser Hobby durch unvernünftiges Handeln einzelner noch mehr in Verruf gerät und weiter behördlich eingeschränkt wird - deutlich zu erkennen am Beispiel des „Jedermannsrechts“ in Skandinavien!

 

Oft erstrecken sich die Maisfelder gleich neben dem Bauernhof. Da ist es bestimmt kein Problem, den Bauern zu kontaktieren, ob man ein paar Kolben pflücken darf. Ich habe häufig die Erfahrung gemacht, wenn ich zu Fuß auf meinen Streifzügen durch die Holledau unterwegs und an einem Aussiedlerhof vorbeigekommen bin, dass sich ein nettes Gespräch entwickelt hat, über die Natur, die Agrarwirtschaft, den Hopfenanbau und Bauernstand, insbesondere mit den Austragslandwirten (Senioren). Manchmal bekomme ich auch wichtige Informationen über die Gegend und ihren Sehenswürdigkeiten, Historie, Sagen und Legenden und hin und wieder wird verraten, wo man am besten übernachten kann. Ich darf auch meine Feldflasche mit Wasser auffüllen und habe noch nie erlebt, dass jemand „nein“ gesagt hat, wenn man sein Anliegen höflich und bescheiden vorträgt. Das gilt auch für andere Feldfrüchte im Herbst, wie zum Beispiel die Nachlese auf dem Kartoffelacker oder Gemüsefeld für den abendlichen Eintopf.

 

Nach diesem kleinen Ausflug zu den eigentlich selbstverständlichen „Outdoor-Benimmregeln“, wieder zurück zum ursprünglichen Thema: „Mais“:

 

100 g Maiskörner - frisch vom Kolben gerebelt - enthalten eine Energiemenge von rund 330 Kilokalorien (kcal). Zum Vergleich: 100 g Hafer 350 kcal, 100 g Weizen 310 kcal und 100 g Reis 340 kcal. Mais liegt somit im Durchschnitt der gängigen Getreidesorten, die wir Outdoorler verwenden. Ein Maiskolben mittlerer Größe, liefert demnach etwa 670 kcal.

 

Um den Mais unterwegs mit dem Spirituskocher oder dem Hoboofen zuzubereiten, gibt es in der Regel zwei Outdoor-Möglichkeiten: Kochen im Topf und Braten/Rösten in der Pfanne.

 

Die Prozeduren sind denkbar einfach, gehen fast genauso schnell, wie das Kochen einer „Schlemmer-Suppe“ aus der Vakuumtüte oder das Braten eines „Feinschmecker-Rühreis“ aus dem Tetrapack und schmeckt eben nicht nach Fabrikfutter - also ideal für uns Rucksackreisende.

 

In der Bildstrecke erkläre ich meine persönliche Weise, ganze Maiskolben mit meinen Outdoor-Utensilien zuzubereiten.

 

Zunächst das Maiskochen:

 

Ich koche die Maiskolben nur in reinem Wasser, ohne Zusätze von Salz, Zucker, Milch, wie es in einigen Kochbüchern der Gourmetküche empfohlen und diskutiert wird. Im Outdoorbereich konzentriere ich mich auf das Wesentliche und bereite meine Speisen ohne viel Kochaufwand und Würzkunst zu. Ich möchte dabei die Natur herausschmecken und nicht die Geschmacksverstärker der Lebensmittelindustrie. Außerdem habe ich auch nicht Lust, eine ganze Küchenausstattung nebst Gewürzregal (außer Salz und Pfeffer) mitzuschleppen. (Smiley: „Lächeln“)

 

 

Bild 02: Das Zubehör - von oben links: zwei Maiskolben (ca. 1300 kcal), ein 3/4 Liter Wasser, Brennspiritus, Salz und Pfeffer, Edelstahlschüssel mit Deckel, auf der Unterlage mein auslaufsicherer Spiritusbrenner mit dem Topfständer, Zündhölzer, ein Teelöffel, mein einfacher Topfhalter mit dem Gegenstück.

 

 

Bild 03: Den Spiritus habe ich in den Brenner gefüllt, der mittlerweile schon über 100 mal ohne irgend eine Beanstandung in Einsatz gewesen ist ...

 

 

Bild 04: ... und den Rest in die Brennstoffflasche zurückgegossen. Dadurch ist mein Brenner absolut auslaufsicher geworden.

 

 

Bild 05: Bis das Wasser kocht, habe ich die Deckbätter und die Fäden vom Maiskolben entfernt und ihn in Stücke gebrochen. Wenn die Spitzen deformiert sind und nicht sehr appetitlich aussehen, schneide ich sie mit dem Messer einfach ab.

 

 

Bild 06: Am schnellsten gelingt das Schälen, wenn man die Hülle vom Kopf des Kolbens samt den Haaren in Streifen bis zum Stiel herunterzieht. Das sieht dann so aus, wie im Bild dargestellt. Man bricht den Kolben aus dem Stiel und erhält einen fast fadenfreien Maiskolben.

 

 

Bild 07: Die zerteilten Kolben lege ich in das kochende Wasser ...

 

 

Bild 08: ... und lasse es noch einmal aufkochen. Dann blase ich die Flamme aus und die Maiskolben ziehen im zugedeckten Topf ca. 5 Minuten. Damit das Wasser heiß bleibt und der Mais weiter garen kann, zünde ich den Brenner noch einmal an, und bringe das Wasser erneut zum Kochen oder besser, nur bis kurz davor.

 

 

Bild 09: Nach weiteren 5 Minuten sind in der Regel die zarteren oberen Stücke weich und können verzehrt werden. Die dickeren Unterteile lassen ich noch weiter im heißen Wasser. Als Getränk habe ich hier traditionell die berühmte amerikanische braune „Pampe“ gewählt, die man auch als „Cola“ bezeichnet. Alternativ kann man natürlich Mineralwasser oder gekühlten bayerischen „Hopfentee“ konsumieren.

 

 

Bild 10: Weil der Topf noch sehr heiß ist, verwende ich meinen Topfhalter und das Gegenstück, um ihn vom Brenner zu heben, damit ich mit dem Restspiritus noch Wasser für einen Cowboykaffee kochen kann und zudem das Abspülwasser warm bekomme.

 

 

Bild 11: Der zweite Gang an Mais liegt auf dem Teller: leicht gesalzen und gepfeffert. Sofern man hat, kann man auch die Kolben mit zerlassener Butter bestreichen. Im Hintergrund wird das Wasser für einen Kaffee zum Kochen gebracht - als krönender Abschluss.

 

 

Bild 12: Hier der gekochte und gewürzte Mais in Großaufnahme - bereit zum „Abknabbern“. Wem der Mais zu heiß ist, steckt man in die Enden jeweils einen Zahnstocher als Halter. Wenn „Lumberjack“ keine Zahnstocher hat, fällt er gewohnheitsmäßig einen Baum und hackt ihn dann solange zurecht, bis daraus zwei Zahnstocher entstanden sind. (Smiley: Zwinkern)

 

Die zweite Option: Mais in der Pfanne:

 

Dabei handelt es sich um das Braten mit etwas Fett (Öl oder Butter) oder das Rösten direkt in der heißen Pfanne ohne jegliche Zutaten. Benutzt man einen Grill, kann man die Maiskolben, mit wenig Butter oder Speiseöl zuvor bestrichen, auch darauf zubereiten. Ich persönlich bevorzuge das Braten, weil sich dann die Pfanne mit Salz leichter reinigen lässt.

 

 

Bild 13: Noch einfacher als das Kochen und mit weniger Aufwand verbunden, ist das Braten von Mais in der Stahlpfanne - Dazu gebe ich etwas Speiseöl in die Pfanne, schmackhafter wäre allerdings Butter, und heize sie über den Spirituskocher auf. Die Maiskolben werden dann hellbraun gebraten. Manchmal brenne die Körner leicht an, was aber dem Geschmack keinen Abbruch tut.

 

 

Bild 14: Hier sind sie schon fast fertig. Wichtig ist dabei, dass man die Kolben ständig wendet, damit sie überall gleichmäßig garen.

 

 

Bild 15: Ein bereits fertig gerösteter Kolben auf dem Teller, nur mit Salz und Pfeffer gewürzt.

 

 

Bild 16: Die süße Variante, hier mit gezuckerter Kondensmilch übergossen. Zusätzliche Informationen dazu weiter unten unter: „Nur so nebenbei“.

 

 

Bild 17: Man kann diese zähflüssige Kondensmilch auch in den Teller gießen und die Maiskolben darin eintunken. Sieht dann aus wie Vanillesauce ... und schmeckt auch genau so süß - mehr ein kalorienreiches Dessert.

 

Guten Appetit!

 

Nur so nebenbei:

 

Ein kleines Döschen mit dieser gezuckerten Kondensmilch von 90 g Gewicht und 70 ml Volumen ergibt eine Energiemenge von 293 kcal (etwa halb so viel wie die eines ganzen Maiskolbens) und ist vielseitig verwendbar: als Brotaufstrich (wie Honig oder Ahornsirup) für mein selbstgebackenes Pfannenbrot, auf Waffeln und Pfannkuchen, im Kaffee und als Verfeinerung im Kochwasser für die Maiskolben wie in den Kochbüchern empfohlen (... ich aber diese Finesse der Kochkunst bewusst ignoriere, weil die durch diese Prozedur für den Wanderer verloren gegangene notwendige Energie zum Tragen im  Rucksack einfach zu schade ist, siehe oben).

 

Aus den leeren Konservendosen bastle ich mir auch eine Teil meiner auslaufsicheren Spirituskocher nach dem Rechaud-Prinzip oder mit dem neuhochdeutschen Vokabular der Outdoor-Szene: nach dem „Open-Flame-Alcohol-Stove-Concept“. Deshalb auch meine temporäre Vorliebe für dieses noch wenig belastete Industrieprodukt aus russischer Fertigung. (Smiley: „Grinsen“) Für meinen Feldflaschenkocher passe ich das Dosenvolumen so an, dass ich damit genau einen halben Liter Wasser sicher zum Kochen bringen kann. Dadurch entsteht ein aufeinander abgestimmtes Kochsystem. Wie das funktioniert, zeige ich in einem meiner nächsten Beiträge.

 

 

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