BP-05 - Späherzelt, mein erstes Selbstbau-Projekt

 

verfasst 2012 - geändert am 26.02.2012  

 

In meinem Beitrag BP-04 habe ich meine Outdoor-Unterkünfte vorgestellt. Dabei erwähnte ich ein Selbstbau-Zelt im Stil eines Späherzeltes. Ich habe es einmal aus der Mottenkiste herausgekramt und möchte es Euch vorstellen.

 

Die Idee hatte ich schon in meiner Internatszeit. Dort machte uns ein Präfekt mit dem Outdoorleben vertraut. In den Ferien ging er selbst auf Reisen, fuhr mit einem alten Wehrmachtskübelwagen nach Finnland und brachte eine Menge Dias mit, von denen wir alle natürlich begeistert waren. Er zeigte uns auch seine neueste Errungenschaft, die er aus dem Land der 1.000 Seen mitgebracht hatte: eines der ersten Kuppelzelte, noch aus Baumwolle und die Kreuzstäbe waren aus ewig langen Spiralfedern, so dick wie ein Besenstiel, irrsinnig schwer, aber unheimlich geräumig und eigentlich das modernste Zelt was der Markt damals angeboten hatte. Wenn wir am Wochenende zum Zelten unterwegs waren, hatte er immer ein Späherzelt vom Militär dabei: klein, leicht (für die damaligen Verhältnisse) und mit wenig Volumen ideal für Wanderungen. Das hatte mich fasziniert! Ich nahm die Maße ab und schrieb sie in mein Gedächtnis. Ich weiß sie noch heute auswendig: Länge 210 cm, Breite vorn 100 cm, breite hinten 70 cm, Höhe vorn 100, Höhe hinten 70 cm.

 

Am Schluss meiner Lehre, Ende der 1960er Jahre machte ich mich daran, diese Zelt zu verwirklichen. Die Stoffe für Zelt, Boden, Fliegengitter und die Reißverschlüsse kaufte ich in einem Münchener Sportgeschäft. Nach rund einem Monat, nur an den Wochenenden: geplant, gezeichnet, gemessen, geschnitten und genäht, war das Zelt fertiggestellt. Natürlich war es nicht perfekt genäht, denn ich saß damals zum ersten Mal an einer Nähmaschine. Aber ich war stolz auf meinen ersten selbst fabrizierten Ausrüstungsgegenstand. Das Zelt hat mich lange auf meinen Wanderungen und Paddeltouren begleitet.

 

Die nun folgenden Bilder zeigen meinen ersten Eigenbau:

 

 

Bild 1: Mein Einmannzelt zwischen zwei Bäumen aufgehängt. Da spare ich mir das Gestänge, das immerhin stolze  500 g wiegt, nicht ganz „ultralight“. Das Zelt selbst hat ein Gewicht von 2100 g und ist für die damalige Zeit schon relativ leicht gewesen. Die genauen Maße des Zelte habe ich oben bereits angegeben. In meinem ersten Beitrag sind allerdings nur die ungefähren Daten genannt. Die Grundfläche ist mit dem Späherzelt identisch. Aber die Höhe musste ich an den vorhandenen Stoff anpassen. Vorne ist es nur 93 cm hoch, dafür hinten mit 73 cm etwas höher.

 

 

Bild 2: Mit den beiden zusätzlichen Abspannungen vergrößert sich der Innenraum, denn die Zeltwände hängen ein wenig durch, ein Manko, das ich meinen ersten Nähversuchen anlaste. Als Verstärkung für die Befestigung der Abspannschlaufe an der Zeltwand habe ich innen einfach breite Knöpfe mit angenäht.

 

 

Bild 3: Der Eingang ist bei der hängenden Version stabfrei, was natürlich den Komfort wesentlich erhöht und das Gewicht reduzierte. Im Prinzip kam ich immer ohne Gestänge aus. Ich musste halt ständig nach einem geeigneten Lagerplatz umschauen. Das war aber dort, wo ich meistens unterwegs war, kein großes Problem.

 

 

Bild 4: Mit Gestänge schränkt man das Hineinkommen in das Zelt stark ein und man muss schon sehr sportlich sein, um da hineinkriechen zu können. Die Stangen haben keine Spitze, sondern Stöpsel, die den First einfach abstützen. Damit sie beim Abspannen nicht verrutschen, habe ich oben eine Schlaufe angenäht, in der die Kappe der Stange steckt. Heute würde ich anstatt des Gestänges selbstverständlich die „Trekking-Poles“ verwenden. Aber damals hat es nur einfache Wanderstecken gegeben, die nicht teleskopierbar gewesen sind.

 

 

Bild 5: Der Innenraum meines Späherzeltes. Durch die seitlichen Abspannungen ist er etwas größer geworden. Man kann die Knöpfe sehr gut erkennen. Allerdings für eine Woche Starkregen ist das Zelt weniger geeignet. Da nützt auch die Plastikplane nicht viel, die ich immer über das Zelt geworfen habe, wenn der Regen zu sehr heruntergeprasselt ist. Der Boden, er ist an den Seiten rund 5 cm hochgezogen, ist schon mehrfach ausgebessert worden, weil den Mäusen an der Amper scheinbar der Bodenstoff so gut geschmeckt hat.

 

Wenn ich das Zelt vielleicht wieder einmal zum Paddeln regeneriere, da spielt ja das Gewicht eine untergeordnete Rolle, müsste ich allerdings die Bodennähte abdichten oder das Zelt nur auf Kies oder Steinen aufstellen, damit das Wasser sofort versickert.

 

Seit meinem ersten „Selbstbau-Projekt“ sind mittlerweile über 40 Jahre vergangen und dennoch erinnere ich mich immer wieder gerne daran, wenn auch das Material nicht mehr den heutigen Anforderungen entspricht. Aber dieses Zelt ist der Beginn meiner Basteleien gewesen, für eine ganze Reihe anderer Ausrüstungsgegenstände, meist Kleinteile, aber bis hin zu einem Liegerad, einem Campingbus-Ausbau (Bedford) und meinem Schlaglochspion.

 

 

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