BW-08 - Spleißen - Langspleiß

 

verfasst 2013 - geändert am 07.05.2013

 

In diesem Beitrag stelle ich den Langspleiß vor. Er wird überwiegend zum Verbinden von zwei Seilen angewendet, insbesondere wenn ein Tau gebrochen ist und es durch den Block einer Talje laufen muss. Der Langspleiß weist nahezu keine Verdickung der Reparaturstelle auf und legt sich geschmeidig um die Rollen des Flaschenzugs. Historisch gesehen wurden für die Taue zum Wantenspannen einfach mehrere Enden, die auf der „Reeperbahn“ geschlagen worden sind, zu einem einzigen Ende der entsprechenden Länge zusammengefügt.

 

Wenn ich persönlich zwei gleiche Seile verbinden möchte, spleiße ich sie grundsätzlich mit einem Langspleiß zusammen. Das ist zwar etwas aufwändiger wie ein Kurzspleiß, sieht aber besser aus, eben weil man von ihm kaum etwas erkennen kann und ist vielseitiger anzuwenden. Die Festigkeit der Verbindung ist etwas geringer als bei einem Kurzspleiß, aber immer noch wesentlich höher als bei einem Knoten. Siehe dazu den Hinweis unten.

 

Im Folgenden werde ich ein altes synthetisches Ende im Trossenschlag (dreikardeelig) mit 8 mm Durchmesser zu einer Endlosschlinge mittels eines Langspleißes zusammenfügen.

 

 

Bild 01: Die Tampen werden vorbereitet. Dazu drehe ich 12 Törns des Endes vorsichtig auf, sodass die Struktur der Kardeele erhalten bleibt.

 

 

Bild 02: Rechts: Die beiden Tampen werden nun eng aneinandergestoßen und ein gegenüberliegendes Kardeel-Paar vorsichtig zusammengedreht, sodass die Form noch erhalten bleibt. Links: Ein Kardeel wird aus dem linken Tampen zwei Törns herausgedreht. Das gegenüberliegende Kardeel vom anderen Tampen legt man dann in die freigewordene Nut ein (Achtung: Keinen Abstand zwischen den beiden Tampen lassen!). Dazu muss man den Strang, der in die Nut gedrückt wird, je Schlag um einen halben Törn festdrehen, damit der eingefügte Part wieder dicht schließt und sauber in der Nut zu liegen kommt. Im Bild ist das links sehr gut zu erkennen: Festdrehen des etwas locker gewordenen Strangs im Uhrzeigersinn. Das aus dem Seil herausgenommene Kardeel (ganz links) weist noch seine ursprüngliche Beschaffenheit auf. Mit etwas Übung erhält man ein sicheres Gefühl, wie weit man den Strang spannen muss, damit er sich harmonisch, wie von selbst in den Spalt legt. Nun wiederholt sich der Vorgang erneut. Wieder werden zwei Törns aus dem Ende herausgenommen und mit dem anderen Kardeel aufgefüllt - bis man insgesamt 9 Törns ersetzt hat. Die überstehenden Stränge, der kurze ist 3 Törns lang, der große 12 Törns, werden wieder in sich zusammengedreht, wie oben beschrieben.

 

 

Bild 03: Die selbe Prozedur, wie in Bild 02 beschrieben, wird auch auf der anderen Seite getätigt. Wichtig ist, dass am Zusammenstoß der beiden Tampen keine Lücke entsteht und die beiden weiterführenden, ersetzenden Kardeele, die die beiden Tampen verbinden, genau parallel verlaufen. Hier ist besondere Sorgfalt vonnöten.

 

 

Bild 04: Hat man nach beiden Seiten richtig gearbeitet, müsste dann die im Bild zu sehende Figur entstanden sein. Wohlgemerkt, ich spleiße hier eine Endlosschlinge. Bei einer normalen Seilverbindung entfällt natürlich der obere Teil des Rings. Es sind die drei Kardeel-Paare zu erkennen, jeweils in einem Abstand von 9 Törns voneinander entfernt.

 

 

Bild 05: Die überstehenden Strang-Enden werden abgeschnitten. Auch das mittlere, gleich lange Paar wird gekürzt. Bei sauberer Arbeit ist das eingefügte Kardeel zwischen den zusammengedrehten Strängen kaum zu erkennen. Man kann auch die beiden Seil-Zwischenräume mit dem Handballen etwas walken, damit sich die Kardeele sauber legen. Jetzt erst beginnt die eigentliche Spleißarbeit.

 

 

Bild 06: Persönlich beginne ich grundsätzlich mit den beiden äußeren Spleißen und zum Schluss bearbeite ich das mittlere Strang-Paar. So kann ich den letzten Spleiß noch korrigieren, und durch Eindrehen der Kardeele eine feste, dichte Verbindung herstellen. Die einzelnen Stränge werden nun etwas aufgedreht und halbiert.

 

 

Bild 07: Jeweils die untere Hälfte wird abgeschnitten. Der entstandene freie Zwischenraum soll so weit sein, damit ein Überhandknoten mit den verbleibenden halben Kardeelen Platz findet. Die beiden Stränge müssen wieder festgedreht werden, damit sie erneut die Struktur eines Kardeels erreichen (im Bild, im Uhrzeigersinn!).

 

 

Bild 08: Ein Überhandknoten wird geschlagen. Dabei ist darauf zu achten, dass die halben Kardeele auf der selben Seite in den Knoten laufen. Im Bild liegt das linke halbe Kardeel korrekterweise vorne.

 

 

Bild 09: Der Knoten ist nun zusammengezogen. Eventuell kann man ihn ein wenig beklopfen, damit er sich sauber in die Nut legt. Man kann jetzt die gleiche Laufrichtung der Fasern sehr gut erkennen. Liegen sie nicht parallel, hat man etwas falsch gemacht und muss es korrigieren.

 

 

Bild 10: Die überstehenden halben Stränge werden erneut halbiert ...

 

 

Bild 11: ... und wieder die untere Hälfte gekappt. Das restliche Viertel des Strangs legt man um das Kardeel des anderen Knotenteils und verspleißt es dreimal in das Seil und in die Richtung des anderen Tampens. Dadurch wird der Überhandknoten zusätzlich gesichert und gefestigt. Dies ist der offizielle Arbeitsablauf bei einem Langspleiß. Ich persönlich verfahre bei meinen verwendeten relativ dünnen Seilen (bis maximal 16 mm Durchmesser, meist aber nur 6 bis 10 mm) etwas anders: Durch Erfahrung hat es sich bei mir gezeigt, dass das Kappen der jeweiligen unteren Hälften der Stränge nicht immer exakt gelingt und beim Weiterarbeiten sich das abgeschnittene Ende sehr leicht aufdröseln kann und aus dem Spleiß gleitet. Ich belasse deshalb alle halbierten Stränge gleich lang und führe die nicht benötigten, später abzuschneidenden Fasern, flach ausgestreift, aus dem Seil heraus.

 

 

Bild 12: Fertig gespleißt sieht ein Teilspleiß zunächst fürchterlich und völlig verwirrend aus. Man kann aber erkennen, dass sich der flach gespleißte Teil, das Viertel des Originalkardeels, sehr eng um das Ende legt und kaum aufträgt (ganz links im Bild). Wenn das Viertel der Kardeele nicht aufgefächert wird, ist der Spleiß deutlicher zu erkennen (ganz rechts im Bild). Muss das Seil nicht durch einen Block eines Flaschenzugs laufen, kann man sich die letzte Halbierung sparen. Vorteilhaft ist aber dann, die Fasern vollständig aufzudröseln und breit aufzufächern, wie im Bild ganz links, damit sie sehr flach gespleißt werden können.

 

 

Bild 13: Versäubert sieht der Teilspleiß so aus, wie auf dem Bild veranschaulicht. Man kann die jetzt abgeschnittenen Stränge erkennen. Das ist bestimmt nicht perfekt, aber in meinen Augen ist es sicherer, hält fester und ist leichter zu handhaben, als bei zuvor gekürzten Hälften. Wenn die Kardeele auf Zug belastet werden, bekneifen sich die einzelnen Stränge und Fasern ineinander und geben so einen zusätzlichen Halt und erhöhen die Festigkeit.

 

 

Bild 14: Nachdem alle drei Teilspleiße in gleicher Weise bearbeitet und abgeschlossen worden sind, ist die gesamte, mit einem Langspleiß verbundene Endlosschlinge zu sehen. Nach den ersten Anwendungen und Belastungen wird der Spleiß sich noch ein wenig recken und sich besser ineinanderfügen, sodass kaum noch etwas von der Verbindung zu bemerken sein wird.

 

 

Bild 15: Nur zur Ergänzung: Zwei alte Enden aus sythetischem Material sind zu zwei Endlosschlingen mit jeweils einem Langspleiß verbunden. Die gelbe Schlinge ist die eben gezeigte mit 8 mm Durchmesser, die weiße, längere Schlinge mit 6 mm Durchmesser. Die Seile habe ich vor Jahren von zwei bei schwerem Sturm auf die Klippen angespülten, zerrissenen Fischernetzen in Griechenland herausgeschnitten und als Andenken und zum Verwenden mitgenommen.

 

 

Bild 16: Die beiden Endlosschlingen sind mit einem Ankerstich verbunden und leicht festgezogen. Dadurch entsteht ein „Kreuzknoten“. Na ja, für einen Laien sind die zwei Schlingen einfach ineinander gesteckt. Wenn man genau hinschaut kann man die beiden Spleißstellen direkt am Knoten erkennen.

 

 

Bild 17: Ein Holzstock mit rund 30 kg an der dünneren Schlinge mittels eines Ankerstichs aufgehängt.

 

 

Bild 18: Detailansicht der Aufhängung. Wieder ist bei genauer Beobachtung die Spleißstelle zu erkennen. Das uralte Seil und auch der einfache Knoten haben diese kleine Belastungsprobe locker überstanden.

 

Anmerkung: Bei einem Tau im Wantenschlag (vierkardeelig) werden die beiden Tampen anfangs 18 Törns auseinandergedreht. Danach ersetzt man nach einer Seite zunächst 15 Törns und auf dem selben Tampen, aber beim gegenüberliegenden Strang, 5 Törns mit den korrespondierenden Kardeelen des andern Tampens. Dasselbe geschieht dann ebenso auf der anderen Seite. Die vier Kardeel-Paare stehen jetzt 10 Törns auseinander. Die restliche Prozedur vollzieht sich wie oben beschrieben.

 

In der Holledau werden mit solchen Endlosschlingen auch Hopfen- und Kunstdüngersäcke an die Haken der Scheunen-Aufzüge angehängt. Beim Neuanlegen von Hopfengärten oder beim Auswechseln von morschen oder gebrochenen Hopfensäulen senken die Bauern mit diesen Endlosschlingen die hölzernen, bis zu 20 cm im Durchmesser und bis zu 10 m langen Pfosten mit dem Frontlader ihrer Traktoren in die ausgebaggerten, ausgegrabenen oder modern: ausgebohrten und vorbereiteten Erdlöcher.

 

Letztendlich benutze ich als Solopaddler ebenfalls eine langgespleißte Endlosschlinge mit einem Umfang von rund 4,50 m, die ich doppelt genommen (für jede Hand eine Schlaufe), am Toggel meines „Kodiaks“ anhänge und schleife, wenn es sein muss, den vollbeladenen Seekajak über Sand und Kies - allerdings nicht über die scharfkantigen Felsen des Mittelmeers. Da packe ich dann doch lieber die schwere Ausrüstung aus und trage den so erleichterten Kajak, unter Zuhilfenahme dieser Endlosschlinge, ähnlich wie eine Seiten- oder Umhängtasche aber mit doppeltem Schultergurt, seitlich oder vorne quer auf dem „Biermuskel“ (aka Bauch oder austriaisch/bayerisch: Wamp'n). Dazu ziehe ich die Endlosschlinge auf der Höhe der Sitzluke einfach unter den Kajak durch, füge die beiden Buchten zusammen, stecke meinen Kopf hindurch und hebe den Kajak mit der Schulter hoch. Eine Hand (zwischen den Seilen), beim seitlichen Tragen oder beide Hände (außerhalb der Seile), beim Transport quer vor der Brust, greifen dazu unterstützend und ausgleichend in den Süllrand. Auf längeren Strecken und Wegen benutze ich natürlich meinen Bootswagen.

 

Hinweis

 

Nach Wikipedia (Suchbegriff: Spleiß, siehe hier) gilt der Langspleiß in der (Berufs-)Schifffahrt heute allerdings nicht mehr als sichere Verbindung. Von seiner Verwendung wird daher abgeraten. „Dies gilt allerdings nicht für „endlose“ Förderseile oder Zugseile von Luftseilbahnen oder Schleppliften“, berichtet Wikipedia gleich im nächsten Absatz und verweist dabei auf die Technische Universität Graz.

 

Wie ich bereits im letzten Beitrag über die Festigkeit von Seilverbindungen ausgeführt habe, gibt auch Wikipedia Folgendes bekannt: „Dabei bleiben (je nach Material, Art des Spleißes und Sorgfalt bei der Ausführung) etwa 85 - 100 % der ursprünglichen Festigkeit des Seils erhalten. Ein Knoten schwächt eine Leine dagegen beträchtlich (etwa 50 % und mehr).“

 

Über die Zugfestigkeit der verschiedenen Seilverbindungen mag sich jeder Leser seine eigenen Gedanken machen, wenn er sie im Outdoorbereich verwenden möchte. Er selbst ist für seine eigene Sicherheit bei der entsprechenden, von ihm gewählten, mitgeführten Ausrüstung und die von ihm bevorzugten Handhabungen verantwortlich. Über Sinn und Unsinn einer auf einer Homepage vorgestellten Technik muss sich ein Nutzer schon im Klaren sein, wenn er sie einsetzen möchte. Bildung, Wissen, logisches Denken und der vernünftige Menschenverstand sind dazu die absoluten Voraussetzungen, wenn die nötige Erfahrung noch nicht vorhanden ist!

 

 

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