BW-01 - Knoten - Einleitung

 

verfasst 2013 - geändert am 28.02.2013

 

In diesem und den nächsten Beiträgen möchte ich etwas über die Knoten erzählen, die ich in der Regel auf meinen Seekajakreisen verwende. Vermutlich werden einige Leser enttäuscht sein, weil ich nicht die gesamte Palette der seemännischen Knoten aufzeige. Aber ich verwenden in Wirklichkeit nur sehr wenige Knoten. Das sind im Prinzip: Schlingen mit zulaufendem Auge, Schlaufen mit feststehendem oder nicht zulaufendem, sich aber öffnendem Auge, Festmacherknoten, Seilverbindungen und Verbindungen von Stäben in Längs und Querrichtung. Meist komme ich mit einer Handvoll sehr einfacher Knoten aus, die beim Seekajaking und beim Lagerleben völlig ausreichen.

 

Natürlich gibt es für jede Gelegenheit und Anwendung den passenden Knoten. Ein Knoten-Fetischist könnte, einschließlich dem Fancywork, locker einige hundert Knoten beherrschen und das geht dann schon in ein eigenständiges, sicherlich sehr interessantes Hobby über. Das ist aber meines Erachtens für den Allgemeingebrauch beim Seekajaking überhaupt nicht notwendig. Bei den einzelnen Knoten werde ich auch auf deren Verwendung eingehen, die ich als bewährt ansehe.

 

Noch ein Hinweis: Durchforstet man die Fachbücher über Knoten oder geht man ins Internet, wird man zwangsweise einige gravierende Unterschiede beim Knüpfen von Knoten feststellen. Das eine Buch oder Forum schätzt ihre eigene Machart eines Knotens als erprobt ein, während andere „Knotenschulen“ genau diese Art als nicht zuverlässig einstuft. Drastisches Beispiel ist zum Beispiel der Schotstek. Die einen bevorzugen den linken, die anderen den rechten Schotstek. Welcher ist nun der sicherere Knoten der beiden? Ich verlassen mich da mehr auf meine eigene Erfahrung oder Beurteilung und nicht auf die unterschiedliche „Sachkenntnisse“ einzelner Autoren, soweit bei denen eine Praxis überhaupt vorhanden ist. Zudem werden Knoten oft auch falsch bezeichnet. Das kommt meist von Übersetzungen ausländischer Autoren, bei denen die „Dolmetscher“ wenig Ahnung von der Materie haben.

 

Bei den meisten Knoten lege ich Wert darauf, dass sie sich leicht wieder lösen lassen. Deshalb verwende ich in den klassischen Knoten auch sehr viel „Schlaufen“ zum Aufziehen. Als anschauliches Beispiel sei der „Kreuzknoten mit beidseitigem Slipstek“ genannt. Diesen Knoten mit dem hochtrabenden Namen kennt eigentlich jeder von uns als Schuhbandknoten oder „Schnürsenkelknopf“ und benutzt ihn auch sehr häufig. Diejenigen, denen der Knoten beim Gehen immer wieder aufgeht und sie sich regelmäßig bücken müssen, um ihm wieder festzuziehen, haben eben nicht den Kreuzknoten gebunden, sondern den „Altweiberknoten“, der auch unter der Bezeichnung „Rauschknoten“ (Der Name kommt angeblich nicht von den Auswirkungen geistiger Getränke, sondern vom „Durchrauschen“ der beiden „Enden“ durch den Knoten.) bekannt ist und so manchen jungen Seemann ein unangenehmes Erwachen eingebracht hat, wenn er mit seiner Hängematte auf den Planken gelandet ist, weil sich der Knoten gelöst hat. Ein Grund mehr, sich ein wenig mit Knotenkunde zu befassen.

 

1 - Kleine Definitionen aus der Seemannsprache

 

Der „Tampen“ ist das Ende eines Taus. Das „Ende“ ist die seemännische Bezeichnung für ein Tau. Der Ausdruck „Tau“ wird aber nur in einer Wortverbindung verwendet, wie z. B. in Tauwerk, Jollentau, Strecktau usw. Die Begriffe Seil, Strick, Schnur und dergleichen gibt es in der Seemannsprache nicht. Sehr schwache Enden nennt man „Leinen“ oder „Bändsel“. Das „Takelgarn“ ist an Land der Bindfaden. - Weil wir aber Kajaker sind und nicht direkt zur „Christlichen Seefahrt“ gehören, werde ich mich nicht an die rein seemännische Wortwahl halten und auch die anderen geläufigen Namen benutzen, insbesondere wenn es sich um Lagerarbeiten handelt: Es gibt für mich halt eine Zeltschnur und kein „Zeltbändsel“ und ein Kletterseil ist kein „Kletterende“.

 

2 - Vorbereiten der Seile

 

Die beiden „Tampen“ eines „Endes“ müssen gegen Aufdrehen gesichert werden. In der guten alten Seefahrerzeit hat man an den Enden eines Naturseils einen „Talking“ gesetzt. Dieser Talking aus dünnem Takelgarn ist geknotet, genäht oder gewickelt worden. Ich persönlich bevorzuge den „Endlosen Bund“, wie ich ihn noch in meiner Ausbildung als Fernmeldemonteur gelernt habe, um die alten geflochtenen textilen Apparateschnüre an einem Nostalgie-Telefon oder die elektrischen Zuleitungen antiker Stehlampen gegen Aufdröseln zu sichern. Die „Quaste“ hinter dem Bund verhindert weitgehend, dass sich der Talking beim Handtieren von selbst abzieht. Besser wäre es, ihn zu vernähen. Unterwegs, wenn man sich aber mit den Materialien vor Ort behelfen muss, ist das nicht immer möglich (z.B. im Bild 1, links: Die „Leine“ habe ich in Griechenland zwischen den Felsen gefunden und einige Meter herausschneiden können und der blaue Talking stammt von einem angeschwemmten Fischernetz.).

 

 

Bild 1: Verschiedene Talkings an Natur- und Kunstfaser-Seilen. Der „Endlose Bund“ kann auf allen gedrehten und geflochtenen Seilen aufgesetzt werden. Bei dem Augspleiß (3. von links) wurden die Kardeelen mit dem Feuerzeug nach dem Spleißen vorsichtig verschweißt.

 

 

Bild 2: Von links nach rechts: Gewebebandkante mit einer Kerzenflamme verschmolzen - das einzelne Schnurende“ eines Bola-Knotens mit dem Feuerzeug abgeflammt - gedrehtes Seil flach verschmolzen, damit es beim Knoten leichter durchgesteckt werden kann und nicht hakt - „Endloser Bund“ auf einem geflochtenen Seil - „Endloser Bund“ auf gedrehtem Seil mit genähten Enden - verschmolzene Schnüre mit „Pilz“, der das Durchrutschen bei einem einfachen Knoten als Stopper verhindert. Unten: mein umgebautes Küchenmesser mit Schnurwicklung. Der Abschluss der Wicklung endet in einer Schlaufe, die durch einen Überhandknoten gegen Durchrutschen aus der Messeröse gesichert ist. Das Ende der Schnur wurde unlösbar auf den Knoten aufgeschmolzen.

 

2 - Grundelemente

 

Zu Beginn der eigentlichen Knotenreihe möchte ich ein paar Grundelemente zeigen mit den drei einfachsten Knoten, die ja jeder von uns kennt. Davon leite ich dann meine Knoten ab, die ich auf meinen Reisen in der Regel verwende.

 

 

Bild 3: Von links nach rechts, obere Reihe: „Auge“, zugleich „Rundtörn“, wenn das „Auge“ um einen Stab gelegt wird - „Bucht“. Von links nach rechts, untere Reihe: Bucht mit „Halben Schlag“ - „Überhandknoten“ - „Achterknoten“.

 

Im nächsten Beitrag werde ich auf meine Schlaufen und Schlingen eingehen und die vielseitige Anwendung aufzeigen. 

 

 

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