BW-05 - Knoten - Bünde für Verschnürungen von Stangenholz

 

verfasst 2013 - geändert am 23.03.2013

 

In diesem Beitrag beschäftige ich mich mit „geknoteten“ Holzverbindungen. In der Regel sind das Längs- und Querverbindungen von Stangen. Eingesetzt werden diese Methoden überwiegend im Lager- und Gerüstbau - nach guter traditioneller Pfadfinder-Manier.

 

Ich gehe dabei nicht speziell auf die Kothen- und Jurten-Lager der Scouts ein, aus deren Fundus diese Anwendungen teilweise stammen, auch nicht auf die militärischen Optionen der Pioniere und nicht auf die Möglichkeiten, die sich in der Land- und Forstwirtschaft bieten, sondern ich will hier aufzeigen, wie man diese praktischen einfachen Holzverbindung herstellt, damit sie von uns für die vielseitigen, oft sehr individuellen Aufgaben im Outdoorbereich eingesetzt werden können. Dabei ist es gleichgültig, ob man Zeltstäbe zusammenbindet, einen Unterschlupf, eine Notunterkunft, Behelfskraxe, Käfigfalle (Achtung: ausschließlich in einer echten Survivalsituation anwenden, also wohl kam in Europa!) usw. baut oder nur ein Dreibein zum Kochen aufstellt oder die Bünde für Reparaturen eines Zeltgestänges, Paddels, des Gerüstes von einem Faltboot usw. nutzt. Mir geht es hier ausschließlich um das Prinzip dieser Verbindung als Grundlage für deren weiteren Verwendung. Für das Anfertigen eines „gebundenen“ Shelters gibt es genügend Literatur zum Weiterbilden und auch die eigene Phantasie kann hier von großem Nutzen sein. Ob man moderne Hilfsmittel wie Planen/Tarps, Folien, Müllbeutel usw. verwendet oder nur mit natürlichen Materialien arbeiten möchte, soweit diese (Zweige, Stämme, Äste, Blätter, Laub, Reisig ...) vorhanden sind und deren Verwendung überhaupt erlaubt ist, sei einmal dahingestellt.

 

Nur so am Rande: Dass wir unseren Lebensraum schonen und es an uns selber liegt, ob die Nutzung von Wald und Feld und der freie Zugang zur unberührten Landschaft in Zukunft nicht noch mehr vermindert, ja verboten wird, wie es in Skandinavien durch die Einschränkung des Jedermannsrechts derzeit geschieht, brauche ich uns Outdoorlern und Umweltaktivisten wohl nicht extra erklären! Doch gibt es auch hier einige wenige Unverbesserliche, die sich über Logik und gesunden Menschenverstand hinwegsetzten und so weitere knebelnde Maßnahmen für uns Natur-Freaks durch den Gesetzgeber provozieren. Ein zusätzlich verordnetes Nutzungsverbot zu riskieren, weil man in Wald und Flur, in einem Naturschutz- oder Landschaftsschutzgebiet unbedingt ein meterhohes Lagerfeuer nur zur Stimmulierung der Seele entfachen muss, halte ich persönlich in den Outdoorforen für ein nicht gerade zugkräftiges Argument und auch nicht für kollektives Verhalten, sondern für reinen Egoismus.

 

Ein Absatz, den ich für sehr wichtig erachte, der aber nicht in den Outdoorseiten steht, um nicht erneut eine kontroverse Diskussion über „Missbrauch von Hartz 4“ und angestrebter staatlicher Grundsicherung als „soziale Hängemeatte“ von sich allzu betroffen fühlenden Usern anzufachen: Ich kann die solidarischen Notwendigkeiten in einer Lebensgemeinschaft und das zur Zeit überhandnehmende ichbezogene Anspruchsdenken in der heutigen Ellbogengesellschaft und der „Laissez-faire-Jugend“ auch so ausdrücken: „Wer zentrovertierten Egoismus dem kooperativen Gemeinwohl vorzieht, gefährdet die Freiheit aller!“ oder etwas simpler, allgemeinverständlicher gesagt: „Wer sich auf Staatskosten durchschmarotzt, beißt die Hand, die ihn füttert!“ (Smiley: „Entwaffnendes Lächeln“ für diejenigen, die sich eventuell angesprochen fühlen) Nach dem meines Erachtens auch im Outdoorbereich immer aktueller werdenden Ausflug zu: “Wehret den Anfängen!“ und „Sägt Euch nicht den Ast ab, auf dem Ihr sitzt!“ wieder zurück zu unseren Bünden.

 

1 - Grundlagen

 

Als Baumaterial für Holzverbindungen verwendet man in der Regel Stangenholz. Das können dünne Stämme von Nadelholz sein, Haselnusstriebe und Weidenstecken. Dabei ist darauf zu achten, dass nicht Nutzholz geschlagen wird! An einem Bachlauf ein paar Weidenäste abzuschneiden wird wohl kaum ein Ärgernis darstellen, einen 5 m hohen Fichtenstamm als Stangenholz aus einer Schonung illegal zu fällen, kann allerdings zu erheblichen Problemen und rechtlichen Konsequenzen führen. Ich frage mich jedes Mal immer wieder, wenn ich es schreibe: Muss man das einem vernünftig denkenden Menschen in der heutigen aufgeklärten Zeit eigentlich immer wieder sagen? Scheinbar doch, wenn man die diesbezüglichen Kommentare dazu liest.

 

Als Verbindungsschnüre werden Kunsthanfseile mit dem entsprechenden Durchmesser empfohlen. Aber man kann, meiner Meinung nach, alle möglichen Materialien verwenden, die man vorrätig oder gerade zur Verfügung hat. Wenn ich auf meinen Seekajaktouren am Nachmittag meine Strandspaziergänge unternehme und angeschwemmte oder in den Klippen verhakte Fischernetze finde, versuche ich meist, brauchbare Schnüre entsprechender Länge herauszuschneiden, so dass ich für meine Anwendungen auf Tour meist genügend Enden, Leinen und Bändsel zur Verfügung habe, um so meine gekauften Ressourcen zu sparen.

 

Die Stärke einer Schnur zum Binden sollte nach den einschlägigen Empfehlungen ungefähr 15 Prozent des Durchmessers des zu verbindenden Holzstockes betragen, die Länge der Schnur mindestens das 50-fache des Durchmessers (bei durchschnittlich drei Wicklungen und zwei Rundtörns zum Verspannen). Möchte man zum Beispiel zwei Holzstäbe von einem Durchmesser von 2 cm zusammenbinden, wäre demnach eine Schnur von rund 3 mm Stärke zu wählen, die eine Länge von gut und gerne 1 m aufweist. Bei Holzstangen von 5 - 7 cm Durchmesser ist man bei den Schnüren mit rund 8 mm Durchmesser und einer Länge von etwa 3 m gut bedient. Material und Seilabmessungen sind aber keinem Dogma unterworfen. Nach meiner Erfahrung eignen sich dünnere Schnüre besser für Bünde, weil sie sich beim Wickeln und Knoten intensiver festziehen lassen, insbesondere beim Verspannen zwischen den Holzteilen.

 

2 - Parallelbund

 

Möchte ich zwei Stangen miteinander verbinden, um zum Beispiel einen langen First für einen Unterschlupf herzustellen oder ich möchte zwei oder drei Stangen an der Spitze zusammensetzen, um ein Zwei- (Kothengerüst oder stabfreier Eingang bei einem niederen A-Frame-Tarp) oder ein Dreibein (Jurtengerüst oder einen Ständer für einen Henkeltopf zum Kochen) zu montieren, dann wende ich den Parallelbund an. Grundsätzlich werden bei einer Stock-Verlängerung immer zwei Bünde, je nach Querbelastung in dem entsprechenden Abstand, angelegt, sodass die Verbindung von den beiden Stäben in allen Richtungen sicher hält. Für die Bünde gibt es verschiedenen Methoden und deren Variationen: der „klassische Parallelbund“ und den „Konstriktorknoten“.

 

 

Bild 01: Der klassische Bund in zwei Variationen. Links: Bund mit einfacher Wicklung um beide Stöcke - Rechts: Die Wicklung wird zwischen den Stöcken gekreuzt. Die Vorgehweise ist immer gleich: Mit einer Schlinge (Paketknoten, Zimmermannsstek usw.) befestige ich das Schnurende, seemännisch: Tampen, an einen Stock. Nun folgen die fest angezogenen Wicklungen um die Stöcke, mit oder ohne Kreuzung dazwischen, in beliebiger Anzahl. Damit die Wicklungen sich verspannen und dadurch das Rundholz fixiert wird, lege ich zwischen den Stöcken zusätzlich zwei Rundtörns ein und ziehe diese straff. Den übriggebliebenen Tampen verknote ich mit einem Webeleinenstek, auch Mastwurf genannt, an einem der Stöcke. Mit dem zweiten Bund verfahre ich ebenso. Jetzt ist eine Stockverlängerung fertig. Bei sorgfältiger Arbeit und optimalem Verspannen durch das Festziehen der doppelten Wicklung zwischen den Stöcken, halten die Bünde in allen drei Dimensionen. - Will ich ein Zwei- oder Dreibein herstellen, lege ich die Stangen parallel aneinander (in der Rege die Seiten mit dem kleineren Querschnitt nach oben) und schlage einen „Scheren-Bund“ an der Spitze an. Dieser ist ebenfalls ein Parallelbund, in dem sich die Schnüre zwischen den Stangen grundsätzlich kreuzen, wie beim rechten Bund zu erkennen ist. Allerdings dürfen in diesem Fall nur etwa drei Wicklungen erfolgen, weil sich sonst die Stangen beim Aufstellen schwerer spreizen lassen. Ob man zwei Stangen oder drei Stangen miteinander verbindet ist gleichgültig. Die Abfolge der Wicklungen bleibt immer gleich, ebenso die Spannwicklungen zwischen den Stangen, nur dass man einmal nur zwei Stangen und bei einem großen Dreibein eben drei Stangen miteinander verbindet. Durch das Aufspreizen (Scheren) der Stangen zieht sich der Bund noch fester zusammen. Bei einem kleinen „Koch-Dreibein“, bei dem der Bund noch mit den Händen zu erreichen ist, erkläre ich meine eigene Bund-Variation im Absatz 4 weiter unten.

 

 

Bild 02: Hier stelle ich den Konstriktorknoten an einem einzelnen Stab vor, damit er deutlicher zu sehen ist. Links: lose, um die Seilführung besser zu erkennen - Rechts: Konstriktorknoten zusammengezogen. Der Konstriktorknoten ist ein Webeleinenstek, in dem die inneren weitergehenden Seile nochmals mittels einem Überhandknoten gekreuzt werden. Einmal festgezogen, lässt er sich nur sehr schwer lösen, insbesondere bei Naturfasern, wenn sie feucht geworden sind. Naturfasern haben den Vorteil, dass sie sich im nassen Zustand zusammenziehen und der Bund dann besser hält, im Gegensatz zu Kunstfasern, die sich bei Nässe meist etwas dehnen und dadurch längen, das heißt, der Bund kann lockerer werden. Kleiner Hinweis: Mit diesem Knoten realisiert man mit einem Bändsel oder Nähgarn auch sehr schnell einen Talking, der ein Aufdröseln eines Tampen verhindert. Den einfachen Konstriktorknoten, so wie er hier gezeigt ist, schlage ich über zwei parallel ausgerichtete Stäbe innerhalb von 5 Sekunden.

 

 

Bild 03: Konstriktorknoten in der Anwendung als Parallelbund. Dabei ist zu beachten, dass der Konstriktorknoten auf der Außenseite des Stabes gebunden werden muss, damit er sich auf der Rundung des Holzes auch richtig verkneifen kann (rechts im Bild)! Hier habe ich zusätzlich noch einem Rundtörn mit jedem Tampen, also wieder einen doppelten Wickel, längs zwischen den Stäben zum Verspannen angebracht und auf der anderen Seite des Konstriktorknotens die Tampen mit einem Kreuzknoten fixiert (links im Bild).

 

3 - Kreuzbund

 

Mit einem Kreuzbund werden zwei Stäbe quer zueinander befestigt. Auch hier gibt es wieder verschiedene Arten von Bünde: Der „einfache Kreuzbund“ oder „Diagonalbund“, mit dem man fast alles zusammenbinden kann. Der „Original-Kreuzbund“, der mit einem angeschlagenen Tampen beginnt und dann dreimal in Würfelform parallel gewickelt wird. Zum Schluss der „Riegelknoten“, der wesensgleich dem Konstrikorknoten aufgebaut ist.

 

Kleiner Ausflug in den ostasiatischen Gerüstbau: Der „japanische Kreuzbund“ funktioniert auf ähnliche Weise wie der Original-Kreuzbund (Bild 05), nur dass er etwas anders gewickelt wird. Er benötigt ein Schnurstück mit vorgegebener Länge und man beginnt ihn von der Mitte der Schnur aus, nach beiden Seiten zu wickeln. Ich habe ihn absichtlich weggelassen, weil er mit dem Bindematerial verschwenderischer umgeht, insbesondere, wenn man die Schnur für den Bund von der Spule (z.B. Paketschnur) benutzt. Der japanische Kreuzbund beginnt immer mit einem zuvor hergerichteten Bändsel mit definierter Länge und endet mit einem Kreuzknoten, während der Original-Kreuzbund grundsätzlich mit einem Ende anfängt und nach dem Fixierknoten einfach abgeschnitten wird. Das hat den Vorteil, dass sich der Materialverbrauch in Grenzen hält, weil man keine Schnurzugabe für unterschiedliche Querschnitte der Rundhölzer und Bindearten benötigt, wie bei den zuvor abgelängten Bändseln. Allerdings verwenden Ostasiaten für den Gerüstbau, auch bei Hochhäusern, Bambus, der mit einem relativ konstanten Durchmesser verbaut wird. Es werden auch zusätzliche Streben in bereits bestehende Gerüste eingearbeitet. Da ist es von Vorteil, die Bindeschnüre vor Baubeginn in entsprechender Länge herzurichten, im Gegensatz zu unserem relativ seltenen Einsatz im Outdoorbereich. Außerdem wird das gesamte Material in Ostasien wiederverwendet.

 

 

Bild 04: Der einfache Kreuzbund oder Diagonalbund gehört zu den universalen Bünden. An einem Stab wird der Tampen am Kreuzungspunkt befestigt. Welchen Knoten man benutzt, bleibt jedem selbst überlassen: Zimmermannsstek, Paketknoten, zwei halbe Schläge, Roringstek, Webeleinenstek, eigene Kreation usw. Beim Diagonalbund legt man die Stäbe übereinander und in den endgültigen Winkel, sowie sie gewünscht werden (z.B.: Diagonalverstrebung eines Gerüstes) und beginnt mit den drei Wicklungen über beide Stäbe am größeren Winkel. Anschließend wechselt man zum kleineren Winkel und setzt nur zwei Rundtörns, wenn der Winkel sehr spitz ist (wie hier im Bild), drei Rundtörns, wenn der Winkel größer wird, bis hin zum rechten Winkel. Zum Spannen der Wicklungen kommen jetzt wieder die zwei Rundtörns zwischen den beiden Stöcken. Die restliche Schnur wird zum Schluss mit einem Webeleinenstek an einem Stab fixiert (hier mit Schlaufe). Je nachdem wie die Stäbe zueinander stehen, kann man auch mehrere Wicklungen am größeren Winkel der Stäbe anbringen. Hier sollte man anfangs etwas experimentieren, was die jeweils bessere und festere Verbindung ergibt.

 

 

Bild 05: Mit dem Original-Kreuzbund werden zwei Stäbe im rechten Winkel angeschlagen. Es wird wieder mit der Befestigung eines Tampen am Kreuzungspunkt begonnen. Dann wickelt man die Schnur, dieses Mal nicht über Kreuz, wie beim einfachen Kreuzbund, sondern quasi im Viereck um die gekreuzten Stäbe: von der Befestigung des unteren Stabs um den aufliegenden Querstab, wieder zurück zum unteren Stab, unten um den unteren Stab herum, zum oberen Stab (selbe Seite) hoch, um den oberen Stab und dann wieder zum unteren zurück, ebenfalls auf der selben Seite bis zur Befestigung des Tampens. Dies ist der erste Durchgang der „Würfelwicklung“! Jetzt folgen noch zwei weitere dieser Prozeduren auf die selbe Weise, die immer genau neben den vorangegangenen Seilwicklungen liegen sollen. Nach dem dritten Durchgang werden die Wicklungen wie üblich verspannt, indem man zwischen den beiden Stäben zwei Rundtörns legt und diese festzurrt. Der Abschluss bildet wieder ein Webeleinenstek, am besten auf dem selben Stab, an dem man den Tampen angeschlagen hat, möglichst auf der gegenüberliegenden Seite, damit Anfang und Ende nicht zusammenkommen und der Knoten dann recht klobig aussieht. Das ist aber Geschmackssache.

 

 

Bild 06: Der Riegelknoten und wie man ihn bindet. Rechts: Der Knoten lose, um den genauen Seilverlauf zu sehen. - Links: Der Knoten zusammengezogen. Auch hier ist wieder der Webeleinenstek, beziehungsweise der Konstriktorknoten deutlich zu erkennen, nur dass die Schnur zusätzlich um den Querstab geschlungen wird. Bei zwei kurzen Stäben, die in einem 90-Grad-Winkel zusammengebunden werden sollen, schaffe ich den einfachen Riegelknoten, so wie er in diesem Bild gezeigt ist, innerhalb von etwa 9 Sekunden.

 

 

Bild 07: Der Riegelknoten (zu sehen im Bild oben) in der Anwendung, wieder mit einer zusätzlichen Verspannung mit zwei Rundtörns zwischen den Stangen. Die Tampen werden auf der anderen Seite des Riegelknotens mit einem Kreuzknoten gesichert (unten im Bild).

 

4 - Dreibein zum Kochen über einem kleinen Lagerfeuer

 

Für die Romantiker ein Dreibein für ein kleines Kochfeuer, um die Anwendung unterschiedlicher Bünde zu verdeutlichen. Hier habe ich meine eigene Schöpfung von Bünden verwirklicht. Na ja, bestimmt ist diese Bundart in anderen Veröffentlichungen auch schon beschrieben worden. Ich lege drei Stäbe mit bis zu einer Länge, die ich stehend noch mit der Hand erreichen kann (ca. 2 m), zusammen und beginne mit der üblichen Fixierung des Tampen an einem der Stäbe. Anschließend wickle ich die Schnur dreimal um die Enden der Stäbe. Nun stelle ich die Stäbe zu einem Dreibein auf, ziehe die drei Windungen fest und wickle die Schnur unter Zug zum Verspannen weiter zwischen den Stäben, abwechselnd von oben nach unten, dann auf der andern Seite wieder zurück und von einem Stab zum anderen bis ich zweimal alle Stäbe umrundet habe. Den Tampen der Schnur sichere ich mit einem Webeleinenstek an einem oberen Stab. Der Bund ist so fest, dass ich das Dreibein auch in der aufgestellten Form verrücken kann, ohne dass die Stäbe zusammenklappen, was bei einer später zu errichteten Kochstelle über einem bestehenden Lagerfeuer aus rein praktischen, thermischen Gründen durchaus zu empfehlen ist. An den Rest der Schnur, die nun in der Mitte herunterhängt, knüpfe ich einen Henkelkessel mit einem Stopperstek. So kann ich die Höhe des Topfes über dem Feuer/Glut bequem regulieren.

 

 

Bild 08: Gesamtansicht des Dreibeins mit Henkeltopf. Allerdings ist diese gezeigte Modellgröße nur für den „Solobetrieb“ geeignet. Man kann das auch in wuchtigerer Ausführung bauen ... bis hin zum großen Hordentopf für ein Fähnlein der Pfadfinder oder für einen der modernen kommerziellen Bushcraft-Ausbildungskurse am romantischen Lagerfeuer, dann allerdings mittels eines Parallelbundes mit drei Stangen (siehe oben unter 2 - Parallelbund, Bild 1).

 

 

Bild 09: Der Bund am oberen Ende des Dreibeins. Dreimal um die Stäbe und dann zweimal zwischen die Stäbe zum Spannen gewickelt - hält sehr fest, die Stäbe bleiben bei entsprechend straffer Wicklung beim Versetzten des Dreibeins in der bestehenden Ausrichtung erhalten, und der Bund lässt sich beim Zerlegen wieder leicht lösen.

 

 

Bild 10: Der Topf hängt an der „Restschnur“ über dem (imaginären) Feuer. Damit man den Topf leichter Abnehmen kann, habe ich aus einem Draht mit 2 mm Durchmesser einen Haken gebogen und diesen in die Schnur mit einem Stopperstek eingebunden, damit ich den Topf in der Höhe zum Feuer verstellen kann. Aus Sicherheitsgründen sollte man bei größeren Feuerstellen aber lieber eine Kette mit der Restschnur direkt unter der Spitze anbinden. Kleiner Hinweis: Ich persönlich verwende für mein kleines Lagerfeuer eigentlich grundsätzlich nur einen Hoboofen, genauer einen „Besteckkorb-Hobo“, auf den ich dann mit Abstandhalter (Kreuz oder Winkel, siehe meine Beiträge über Hoboöfen) meine Töpfe oder Pfannen stelle oder meine Grillplatte lege. Diese Art der Feuerstelle ist sicherer, weil mein Hobo auf Füßen steht und auf dem Boden keine gefährlichen Brandflecken erzeugt. So kann ich ohne Spuren zu hinterlassen, unterwegs sein und trotzdem auf einem Lagerfeuer kochen und mich auch an der Wärme und etwas eingeschränkt der Romantik erfreuen. Auf alle Fälle wird hinterher kein Mensch erkennen, dass ich hier gelagert habe, was meiner wahren Auffassung eines Outdoorlebens entspricht, den Platz meines Lagers/Biwaks so zu verlassen, wie ich ihn vorgefunden habe.

 

5 - Einige Anmerkungen zu den Knoten und Bünden

 

Die oben gezeigten Bünde sind nur eine kleine Auswahl aus einem großen Arsenal von Befestigungs- und Verbindungsmöglichkeiten von Stangen und Stäben.Dasselbe gilt auch für alle von mir vorgestellten Knoten. Aber sie sind einfach zu binden und erfüllen ihren Zweck.

 

Aus für mich rein praktischen Gründen verwende ich für meine Verbindungen von in der Regel dünnen (2 bis 3 cm) und kurzen (maximal 2 m) Rundhölzern meist den Konstriktor- und den Riegelknoten.

 

Die Zeitangaben, die ich bei den Knoten und Bünden angeführt habe, sollen lediglich demonstrieren, dass man diese Knoten sehr schnell und damit auch einfach schlagen kann. Ich möchte hier nicht einen Schnelligkeitswettbewerb vom Zaume brechen. (Smiley: „Lächeln“)

 

Um die simple Knüpfung und das Wesen eines Knotens zu verstehen, habe ich mir angewöhnt, einen neu zu lernenden, bereits vorhandenen Knoten langsam immer weiter zu lockern und ihn stetig aufzubinden, zu drehen und zu wenden. Dabei stelle ich oft fest, dass ich den Knoten auch auf eine gänzlich andere Weise schlagen kann, die wesentlich effektiver, das heißt einfacher und schneller, vonstatten geht, als die in den Beschreibungen vorgestellte Version (siehe das schnelle Schlagen eines Webeleinensteks innerhalb von 3 Sekunden in dem Beitrag über die „Festmacher“). Wie man mit einem Ende/Seil umgeht, damit Knoten schlägt und Bünde herstellt, muss aber jeder selber herausfinden. Hier sind Erfahrung, permanentes Üben und ein gewisses Gespür für die Seiltechniken von großem Vorteil. Dabei ist es bestimmt sinnvoll, sich bei den Knoten auf einige wenige einfache aber wirksame Arten zu konzentrieren.

 

Wenn man mit einer geringen Anzahl von Knoten perfekt umgehen kann, wird man vielleicht selber erkennen, dass Kombinationen dieser einfachen Knüpftechniken möglich sind und daraufhin eigene Kreationen entwickeln. Da benötigt man dann weder Bücher, Video-Clips noch Lehrgänge.

 

Allerdings muss man sich zwingen, im „Sicherheitbereich“ keine ungeprüften und keine nicht praxiserprobten Knoten zu verwenden und von Experimenten unbedingt Abstand zu nehmen!

 

Ich bin absichtlich nicht auf die offiziellen Knoten und Bünde eingegangen, die ich in meiner Ausbildung zum Fernmeldemonteur gelernt habe, weil sie doch zu fachbezogen sind und dafür auch ein spezielles Garn verwendet wird. Außerdem lassen sie sich nicht oder kaum mehr lösen, sodass sie eigentlich nur für feste Verbindungen einzusetzen sind. Diese Knoten und Bünde habe ich zum Beispiel bei der Reparatur meines gebrochenen Karbonpaddels auf meiner Reise von Grado/Triest nach Rhodos im Jahre 2003 verwendet, weil ich in diesem Fall auf unbedingte Festigkeit und Haltbarkeit der Verbindung Wert gelegt habe. Diese Instandsetzung hat dann auch nahezu die gesamten restlichen zweidrittel der Strecke meiner Seekajakreise überstanden. In meinem Reparaturkitt im Kajak befinden sich natürlich einige Meter dieses Abbindegarns, ebenso in meinem Survivalkit.

 

 

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